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Vest (eib). Es sieht gut aus für die neuen Auszubildenden im Vest Recklinghausen. Sogar sehr gut: Alle Schulabgänger werden einen Platz bekommen, vielleicht nicht jeder seine Wunschausbildung. Aber es gibt ja auch noch Schulungsmaßnahmen zum Überbrücken. Vor einem Jahr waren am Ende nur 50 Bewerber ohne Vermittlung geblieben und landeten in Lehrgängen. Diesmal könnte es bei 0 liegen.
Früher war der 1. August der „Stichtag“ für eine Ausbildungsbilanz. Doch inzwischen gibt es diese starren Einstiegspunkte nicht mehr. Der aktuelle Stand: 1.715 Bewerbern stehen noch 639 Ausbildungsplätze gegenüber, sagt die Agentur für Arbeit. Liest sich nicht gut, ist es aber, wenn man es mit dem Vorjahr vergleicht: Das gab es 1.066 Bewerber mehr, aber nur 61 Ausbildungsstellen mehr. Das Verhältnis wird sich in den kommenden Wochen drastisch angleichen.
Und das Arbeitsamt ist für die Zukunft höchst optimistisch, denn auch in den kommenden Jahren sind die Aussichten gut: Die Zahl der Schulabgänger wird deutlich sinken, gleichzeitig haben die mittelständischen Betriebe immer mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung gestellt, um ihren Facharbeiter-Mangel selber zu decken.
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Auch die Industrie-und Handelskammer bilanziert: „Die Situation ist gut“, sie war es auch schon im Vorjahr. Immer mehr Betriebe könnten es sich leisten, in guten Zeiten auch auszubilden. Gefragt seien die „feinen“ Berufe im kaufmännischen Bereich, weniger die industriellen. „Der Blaumann hat nicht die Wertschätzung, die ihm zukommt“, sagt IHK-Geschäftsführer Christoph Pieper.
Dass die Agentur für Arbeit und IHK die Lage so erfreulich gut sehen, ist nicht selbstverständlich. Denn der Kreis ist in einer ganz besonderen Situation: Hier bricht ein großer Ausbilder weg, der Bergbau. Aber viele kleine Ausbilder haben diese Lücke mehr als füllen können. Ein Zeichen, dass der Strukturwandel bereits im vollen Gange ist.
Auch der Verwaltungsleiter der Kreishandwerkerschaft, Dr. Frank Bruxmeier, sieht das. Auch wenn man im Augenblick noch etwas weniger Ausbildungsverträge hat als im vergangenen Jahr. Was ihm Sorge bereitet: Die Anforderungen an die Azubis werden immer größer. Englisch und Computerkenntnisse sind notwendig, es wird immer schwerer, qualifizierte Jugendliche zu finden, die den Anforderungen genügen.
Ein „Ausbildungsbonus“ für Betriebe (von bis zu 6.000 Euro) ist seiner Meinung nach nicht der richtige Weg, das führe auf beiden Seiten nur zu Frust. Sein Fazit: „Die Lage ist gut, mit Aufhellungen. Aber ich bin nicht euphorisch.“ Der runden Zufriedenheit der Agentur für Arbeit mag er sich nicht anschließen.

