Haltern. Die Beamtenkarriere von Michael P. (53) endet im Gefängnis. Das Landgericht Essen hat den Oberinspektor bei der Stadt Haltern wegen Untreue zu einer Haft von 30 Monaten verurteilt. Er hatte fast zehn Jahre lang Gebühren in seine eigene Tasche umgeleitet, mindestens 66 000 Euro (das Sonntagsblatt berichtete).
Es war ein höchst seriöses Leben: In Haltern stadtbekannt, Familienvater, Eigentumswohnung auf Mallorca, im Fußball aktiv. Der Abstieg, so erläuterte der Aneklagte dem Gericht, begann ganz banal: Um den Stress mit seinen Schwiegereltern abzubauen, ging er in die Spielhalle, legte sich eine Freundin zu und trennte sich schließlich von seiner Frau.
Für die Spielhallenbesuche brauchte er Geld, das er immer öfter (zwischen November 2005 und Juli 2010) von Gebühren abzweigte. Wenn er beispielsweise Gaststättenkonzessionen ausstellte oder Reisegewerbescheine. Gezahlt wurde bar, doch das Geld kam nicht in der Stadtkasse an.
Die Sache flog auf, als der Mitarbeiter des Ordnungsamtes in eine andere Abteilung versetzt wurde und die Stadtverwaltung Beschwerden nachging. Antragsteller bekamen Zahlungsaufforderungen von der Stadt oder Probleme mit ihren Genehmigungen. Der Bürgermeister erstattete Anzeige. 113 Fälle waren angeklagt.
Inzwischen hat die Stadt ihn vom suspendiert, seine Bezüge gekürzt. Nach dem Urteil ist er seinen Beamtenstatus los, seine Pensionsansprüche fallen geringer aus. Mittlerweile lebt er in Hamburg – nicht in Afrika, wie er vor Gericht den Spekulationen in seiner Heimatstadt entgegentrat.
Die Stadt bekam auch noch eine kritische Anmerkung des Gerichtes mit: „fehlende Kontrolle“. Zu einer milderen Strafe führte das nicht. Die Bürger seien darauf angewiesen, dass ein Amtsträger ordentlich handele. Sonst funktioniere die Gesellschaft nicht.
Das Urteil ist rechskräftig.

