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Fertighaus-Fabrik scheiterte am Geld – Haftstrafe

Marl/Herten/Dorsten (eib). Es war ein Riesen-Projekt für den Industriepark Dorsten-Marl, für NRW, ja für ganz Deutschland: Hier sollte die erste Fabrik für Fertighäuser einer neuen Generation gebaut werden. Dem ungläubigen Staunen vor fünf Jahren folgte nun der juristische Schlusspunkt: Der Geschäftsführer aus Marl wurde wegen Anlagekapitalbetruges vom Landgericht Bochum zu einer 21-monatigen Haftstrafe (auf Bewährung) verurteilt.

Die Fertighaus-Firma war 2003 in Herten als GmbH gegründet worden. Sie holte sich Wissenschaftler, die die Machbarkeit einer Fließbandproduktion bestätigten. Sie hatte den Preis und die Nachfrage berechnet. Sie hatte Fachleute eingesammelt, die neue robotergesteuerte Arbeitsmethoden entwickelten. Die Lage der Halle war bereits festgelegt, die Zahl der Arbeiter ermittelt, die Probleme der Logistik waren mit Dorsten und Marl schon besprochen worden (wie sollen die Schwertransporte über die Straßen geführt werden). Die ersten Firmen hatten bereits signalisiert, sie würden sich finanziell beteiligen – jetzt ging es nur noch um das große Geld. Und das ging gründlich daneben.

Denn nach der ersten Vorstellung und Euphorie war nichts mehr zu hören. Weil nämlich 250 Millionen Euro Startkapital gebraucht wurden. Die ersten Privatanleger investierten schon mal drei Millionen in die Entwicklung, im Einzelnen zwischen 1.000 und mehreren 10.000 Euro. Allerdings hatte der Marler bei seinem Werben um Fremdkapital in einem Emissionsprojekt falsche Angaben gemacht und nachteilige Tatsachen verschwiegen.

In nahezu allen Fällen gab es einen Totalverlust. Das Geld ging für die Vorarbeiten an dem gescheiterten Projekt drauf. Bis zu einer Grundsteinlegung war es gar nicht erst gekommen. Dafür fuhr der Angeklagte zwei Luxusautos. Sein Problem: Er hatte bereits Mitte der 90er Jahre einen Offenbarungseid geleistet.

Allerdings konnte das Gericht nicht feststellen, dass der 67-jährige Angeklagte fest geplant hatte, die Anleger zu schädigen. Selbst Professoren und Wirtschaftsförderer hatten das Projekt durchaus für machbar gehalten – wenn es genug Geld dafür gegeben hätte.

Nachdem es in Dorsten, Marl und am Firmensitz Herten still geworden war um das Projekt, ließen die Macher verlauten, sie wollten es in Ostdeutschland versuchen – weil dort die Fördermöglichkeiten noch besser seien. Im Industriepark Dorsten-Marl blieb Skepsis zurück: Bei jeder freudigen Nachricht über eine Neuansiedlung erinnerte man sich an die gescheiterte Europahaus-Idee.

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