Recklinghausen (sl). 26 Millionen Euro – so hoch ist die Summe, die das von mfi in Auftrag gegebene Gutachten der Gesellschaft für Markt-und Absatzforschung (GMA) als Umsatzverlust für die Händler in der Recklinghausen Innenstadt vorhersagt. Doch stimmen die Zahlen? Laut GMA liegt der Umsatz pro Quadratmeter im Löhrhof-Center heute bei stolzen 4.700 Euro – für die Arcaden ging GMA von einem Umsatz von gerade einmal 3.500 Euro pro Quadratmeter aus. Kaum zu glauben, das mfi ein Center baut, um künftig weniger profitabel zu arbeiten.
Werden die Lörhof-Arcaden wirklich zu einem Erfolg und genauso wirtschaftlich wie das alte Löhrhof-Center, würden die Kaufleute in der Innenstadt fast 40 Millionen Euro Umsatz verlieren – weite Teile der Recklinghäuser Innenstadt würden dann zu einer Geisterstadt werden. Die ersten Verlierer der Arcaden könnten die Immobilienbesitzer in der Innenstadt werden – schon heute spricht mfi gezielt in Recklinghausen ansässige Unternehmen an und wirbt für die Arcaden.
Unterstützt wird das Unternehmen dabei von Recklinghausens Bürgermeister Wolfgang Pantförder. Gemeinsam lud man zu der Informationsveranstaltung am vergangenen Montag ein, als mfi seine Pläne im Ratssaal der Stadt vortrug: „Gerne möchten Herr Bürgermeister Wolfgang Pantförder und wir Sie herzlich einladen, unser großes Vorhabennäher kennenzulernen.“
Auch der IHK ist das Arcaden-Vorhaben mittlerweile wohl unheimlich geworden: Sie fordert von mfi eine weitere Verringerung der Ladenfläche auf unter 30.700 m2. Mfi hat jedoch im Gespräch mit dem Sonntagsblatt klar gemacht, dass es keine Arcaden mit einer Fläche von weniger als 30.000 m2 geben wird.
Anfang der vergangenen Woche hatte die Kammer noch die Spitzen von mfi und Multi Development (MD), die auf der Fläche von Karstadt das Quartier am Mark entwickeln wollen, zu einem Kompromissgipfel eingeladen, der allerdings scheiterte. MD lehnte den Vorschlag ab, sich auf die Karstadt-Flächen zurückzuziehen und mfi wollte von dem Vorschlag von MD nichts wissen, in die Lörhof-Arcaden vor allem Hänlder aus den Branchen Möbel, Billig-Textilien oder Lebensmittel aufzunehmen, die sich bislang auf der Grünen Wiese tummeln und in Recklinghausen nicht auf Kosten der Innenstadt wachsen würden.
Hält die Stadt an ihrer Politik fest, die Arcaden bauen zu lassen und die Pläne von Karstadt und MD zu verhindern, droht trotz besserer Zahlen das Aus für Karstadt in den Innenstadt. Ein Karstadt-Mitarbeiter: „Wir können uns in diesem Gebäude nicht entwickeln. Kommt das Quartier am Markt nicht, verliere ich meinen Job und Karstadt vermietet einfach das Untergeschoss an einen Ramscher.“ Ein Ein-Euro-Shop am Markt? Das könnte, wenn die Arcaden gebaut werden, vielleicht gar nicht mehr weiter auffallen – denn dann dürften großte Teile der Innenstadt in den Händen der Billigheimer sein.

