Dorsten (eib). Acht Monate vor der Kommunalwahl: Traumergebnisse für die CDU und ihren Bürgermeisterkandidaten Lambert Lütkenhorst, Alptraum-Ergebnisse bei der SPD und Personalquerelen quer durch die Ortsvereine. Jetzt hat Dorsten-Altstadt seinen Vorsitzenden Martin Hagemann abgewählt. Seit einem Jahr wird die SPD von Überraschungen erschüttert.
Austritte, Rücktritte, Abwahlen – alles wird in der SPD mit Andeutungen, Spekulationen und Kritik garniert. Nie aber mit Aufklärung verbunden.
Der Ortsverein Altstadt habe „eine schwierige Situation“ geklärt, so der stellvertretende Vorsitzende Friedhelm Fragemann. Eine weitere Zusammenarbeit zwischen dem Vorsitzenden und dem Vorstand sei nicht mehr möglich gewesen. Beobachter sagen, es sei eine Retourkutsche gewesen für eine Wahl im November 2007.
Damals sollte der Dorstener SPD-Chef Carsten Nickel abgewählt und durch Susanna Simmerl (Vize-Bürgermeisterin) ersetzt werden. Nicht alle wollten das mitmachen und trotzdem war das Wahlergebnis eine Sensation: Carsten Entinger (Hervest) wurde Chef.
Damals hatte sich der stellvertretende SPD-Stadtverbandsvorsitzende Winfried Heß für Entinger stark gemacht und nicht für Simmerl, obwohl sie wie Heß in Holsterhausen beheimatet ist.
Die nächste Überraschung bei den Ortsvereinswahlen in Holsterhausen im März 2008, als Simmerl einen neuen Vorsitzenden für ihren Ortsverein vorschlägt – und damit durchkommt. Der frühere Bürgermeister Hans Ritter (SPD) verlässt vorzeitig die Versammlung.
Im Mai tritt Heß von seinen Ämtern zurück und aus dem Ortsverein aus. Beobachter werfen Susanna Simmerl und dem Fraktionsgeschäftsführer Jürgen Scholle jahrelanges Mobbing gegen Heß vor. Im Juni schienen die innerparteilichen Reparaturversuche Erfolg zu haben: Heß kehrte in die Fraktion zurück.
Dafür knirscht es nun in der Altstadt. Dem geschassten Hagemann wird vorgeworfen, er habe vor einem Jahr bei den Stadtverbandswahlen Carsten Entinger unterstützt.
Der hatte schon im Frühjahr auf eine Kandidatur für das Bürgermeisteramt verzichtet. Wer nun der Kandidat sein soll, das macht die SPD zu einem großen Geheimnis. Am 18. Oktober soll er (oder sie) auf einem Parteitag gekürt werden.
Dass das ganze Personen-Gerangel der letzten Monate irgendetwas mit dem künftigen SPD-Bürgermeisterkandidaten zu tun habe, bestreitet der frühere Bürgermeister Friedhelm Fragemann vehement. Er ist – pikanterweise – stellvertretender Vorsitzender bei der SPD Dorsten-Altstadt und gilt als Förderer von Susanna Simmerl, die jetzt schon Vize-Bürgermeisterin ist und den Sprung an die Dorstener SPD-Spitze im November 2007 verloren hatte.

