
FOTO: Grone
Vest (eib). Während sich in diesem Sommer die Lippe bereits als Kultur-Bindeglied entwickelte und ein halbes Hundert Konzerte verbindet, wird es mit dem parallel verlaufenden Kanal als Bindeglied noch einige Zeit dauern. Der Wesel-Datteln-Kanal, schon jetzt Deutschlands meistbefahrener Binnen-Kanal, wird noch größere Aufgaben übernehmen: Für den Chemiepark, für das neue Eon-Kraftwerk in Datteln, für ein geplantes Logistik-Zentrum in Marl-Sickingmühle.
Doch der Kanal ist seiner Aufgabe noch nicht gewachsen. Ihn behindern zahlreiche Brücken: 14 sind noch zu niedrig und einige müssen sogar komplett erneuert werden, weil ihre Lebensdauer von 80 Jahren bereits überschritten ist. Zum Teil sind die Durchfahrten zu niedrig, um zweistöckige Containerschiffe bequem durchzulassen. Zig-Millionen kosten die Umbauten und es kann 15 Jahre dauern, bis alles hergerichtet ist.
Einer der Engpässe liegt in Dorsten: Die Hervester Brücke hat nur eine Durchfahrthöhe von 4,77 m (oberer Grenzwasserstand) und soll auf 5,25 m angehoben werden – wie alle anderen auch. Eigentlich wollte das Wasser-und Schifffahrtsamt Duisburg-Meiderich schon Anfang 2008 mit den Arbeiten beginnen, jetzt wird es wohl Anfang 2009 werden. Die behördlichen Abstimmungen haben deutlich länger gedauert als vorausgesehen.
Ähnlich schwierig wird es für die anderen Brücken zwischen Wesel und Marl, insbesondere wenn es um Eisenbahnbrücken geht. Drei bis vier Verhandlungs-Jahre sind die Regel.
Bis dahin müssen die Lippe-Schiffe den „Kopf“ einziehen. Denn die herausfahrbaren Steuerstände sind häufig das Problem: Sie touchieren die Brücken. Meist sind es nicht die doppellagigen Container, deren Höhe mit Ballastwasser geregelt werden kann.
Die bereits vor längerer Zeit angekündigte Erneuerung in Dorsten ist dringend nötig: Seit dem Sommer ist sie nur noch einspurig befahrbar (aber weiterhin mit 30 t belastbar). Für 3,5 Mio Euro wird 20 Meter nebenan eine neue gebaut, jetzt 12,25 m (statt bisher 8.30 m) breit. In Sichtweite liegt die in den 90er Jahren gebaute neue Brücke im Zuge der Ortsumgehung Dorf Hervest.
Seitdem hat die alte Straße kaum noch eine Bedeutung. Und doch kann nicht auf sie verzichtet werden: Sie ist zusammen mit der Lippebrücke der Zuweg zu dem Zwischenraum zwischen beiden Wasserwegen.
Ein Kanal-Problem sind auch die vielen Schleusen. Die Doppelkammern sind in den 20er Jahren gebaut worden, die zusätzlichen Einzelkammern in den 60er Jahren. In zwei oder drei Jahren sollen die großen Kammern überarbeitet werden, neue Tore und neue Technik erhalten. Das würde für weitere 30 bis 40 Jahre halten.
Die rasante Belastung des Kanals (60 bis 90 Schiffe pro Tag, durchschnittlich 1200 Tonnen pro Schiff) wird weiter gehen, vermutet das Wasser-und Schifffahrtsamt. Zunächst war man von einer Steigerung von 1997 bis 2015 von 16 auf 24 Millionen Tonnen ausgegangen, jetzt erwartet man 5 Millionen Tonnen mehr für die Kohlekraftwerke.

