
Marl. Wenn es brennt, muss alles ganz schnell gehen: Die Marler Feuerwehr ist sieben Minuten nach der Alarmierung mit zehn Feuerwehrleuten am Einsatzort, fünf Minuten später mit weiteren sechs. Fast überall im Stadtgebiet, so die Bilanz eines 80-seitigen Gutachtens, wenn man eine Fahrgeschwindigkeit von 39 bis 45 km/h berücksichtigt. Die Voraussetzungen bei der Marler Wehr sind sehr gut, sieht man mal von zwei dringend nachbesserungswürdigen Punkten ab.
Die Zentrale steht an der Herzlia Allee, und das schon seit 27 Jahren. Hier stehen die meisten der 32 Feuerwehr-Fahrzeuge und die meisten der 14 Container mit Sondergeräten. Von hier aus erfolgt der Einsatz des demnächst 84-köpfigen hauptberuflichen Personals. Derzeit werden neun neue Rettungsassistenten eingestellt. Daneben gibt es noch 231 Freiwillige – Tendenz steigend.
Schnell mit den richtigen Leuten und dem richtigen Hilfs-Material am Ort zu sein, das ist ein kompliziertes Zusammenspiel vieler Komponenten. 25 „Objekte von besonderer brandschutztechnischer Bedeutung“ (Altenheime, Hochhäuser, Gewerbegebiete, Zechengelände) müssen berücksichtigt werden. Von welchem der Standorte (Hamm, Polsum, Sinsen, Lenkerbeck, Alt-Marl) ist die Feuerwehr am schnellsten am Ort des Geschehens? Personalstand und Wohnort der freiwilligen Kräfte ist zu berücksichtigen. Aber auch die Häufung von Einsätzen (Schwerpunkt Drewer und Hüls). 8760 Stunden war die Feuerwehr im Jahr 2007 bei 1233 Einsätzen unterwegs – macht 0,14 Einsätze pro Stunde.
Äußerlich scheint die rot-graue Zentrale an der Herzlia Allee noch immer in bestem Zustand, doch es gibt Handlungsbedarf, stellt das Gutachten fest: Die Hygiene sei mangelhaft, die Lagerfläche gering, die Stellflächen für die neuen, großen Fahrzeuge zu eng. 1,3 Millionen Euro kostet die Modernisierung, so Feuerwehrchef Peter Blomtrath.
Drei weitere Gerätehäuser sind noch nagelneu, in Polsum wird gerade gebaut, so bleibt noch Lenkerbeck übrig: Zu wenig Platz, kein Schulungsraum. Das Gutachten hatte einen Neubau an der Hülsstraße vorgeschlagen, doch Peter Blomtrath kann sich auch eine Überarbeitung des bestehenden Gebäudes (82 Jahre alt, unter Denkmalschutz) vorstellen. Das würde auch nicht so teuer.
Denn ist gibt noch einen Punkt, an dem die Feuerwehr Geld braucht: Drei Fahrzeuge, 24 und 23 Jahre alt, müssen dringend ersetzt werden, und das kostet je 300.000 Euro.
Noch stehen all diese Kosten nicht in einem Haushaltsplan der Stadt. Vielleicht stehen sie auch 2011 nicht an oberster Stelle. Aber irgendwann werden sie unvermeidlich sein. Bevor es bei der Feuerwehr „brennt“.

