Dorsten (eib). Was für ein Schützenfest! Die Nacht ist warm, die Stimmung bombastisch, tausend Menschen oder mehr trinken, feiern, tanzen, singen. Und dann kommt die Polizei und macht Schluss. Es ist Dienstagmorgen, 0.44 Uhr, mehrere Bürger haben sich bei über den Lärm beschwert. Die Happy-Sound Big Band packt in Dorsten-Wulfen die Instrumente ein. Doch das Fest geht weiter. Wie bei vielen Schützenfesten im Kreis.
Was sich im Polizeibericht als glatte Routine liest, war vor Ort ein hektisches Ereignis. Vereinsmitglieder wollten die Beamten zu einer Duldung überreden, doch die drohten, die Lautsprecheranlage zu beschlagnahmen. Und als die Band einpackte, glaubten die Besucher an eine Pause und forderten lautstark Zugaben. Dann wurde (ohne Instrumente) gesungen und getanzt, zwei Trompetenspieler kamen, eine Gitarre wurde aufgetrieben. Und so ging das Fest bis 3 Uhr weiter. Ohne Beanstandung.
Die Bilanz der Veranstalter: ein „einmaliges“ Fest. Die Bilanz der Polizei: „Keine große Herausforderung“, trotz insgesamt vier Einsätze. Die Bilanz der Stadtverwaltung: Das Veranstaltungs-Ende ist verhandlungsfähig, Freitag sollte um 1 Uhr Schluss sein, Montag um 0 Uhr. Bei einem eintägigen Fest ist mehr drin, bei mehreren Tagen kann man die Verhandlungsmasse verteilen.
Die Realität sieht meist anders aus. Die Schützen im ganzen Kreis feiern nicht selten bis in die Morgenstunden. Wenn sich keiner beschwert. Denn die Nachtruhe beginnt um 22 Uhr und das Ende für „Tonwiedergabegeräte“ liegt bei 0 Uhr bei mehrtägigen Veranstaltungen.
Seit Jahren wächst deshalb der Druck auf die Schützenvereine. Natürlich will man möglichst unter den Menschen feiern. In Wulfen haben sich die Schützen inzwischen sogar ihren Schützenplatz gekauft. Dem steht das Ruhebedürfnis gegenüber. Und wenn es so herrlich warm ist wie am letzen Wochenende, dann schläft man gerne bei offenem Fenster – was der Musik (wie die Feiernden sagen) oder dem Lärm (wie es die Schlafbedürftigen sagen) den unmittelbaren Weg ins Ohr freigibt.
In Dorsten haben schon mehrere Vereine mit diesem Problem zu kämpfen gehabt, in Rhade gab es in den 90er Jahren einen Prozess, weil ein Neubürger einen Bauplatz direkt neben dem Schützenplatz erwarb und dann gegen den Lärm des Traditionsfestes klagte. Er gewann.
Die Städte des Kreises wissen um ihren Spielraum. Einige sind da auch recht großzügig. In Schermbeck (Kreis Wesel) wird auf den kleinen Festen bis 2 Uhr gefeiert, auf dem großen Doppelfest bis 3 Uhr. Die Behörden stehen nicht sofort vor dem Zelt, wenn die Genehmigung überschritten wird. Da muss schon eine Beschwerde kommen.
Dann aber kann zu der Ermahnung noch ein Bußgeldbescheid kommen. Das hänge von den Umständen des Einzelfalles ab, erklärt die Stadtverwaltung Dorsten. In diesem speziellen Fall hat sich bereits ein Anlieger nach der Genehmigung für das Fest erkundigt. Jetzt wartet man noch darauf, ob auch die Polizei den Vorfall als bemerkenswertes Ereignis weitergibt. Auf jeden Fall will sich Bürgermeister Lambert Lütkenhorst mit dem Vorstand unterhalten: Über Möglichkeiten der Schallreduzierung für das Fest in zwei Jahren.

