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Auf Chaos-Tag folgt Ausschluss von Entlassfeier

Marl (eib). Trinkende Schüler, Fernbleiben vom Schulhof – das ist in der lustigen Filmwelt der Feuerzangenbowle ein Spaß. In der Realität der Schulwelt 2009 aber zieht das Konsequenzen und Strafen nach sich: Eltern sind aufgebracht, Schüler enttäuscht, weil sie danach von der Entlassfeier der Martin-Luther-King-Gesamtschule ausgeschlossen wurden. An der Schul-Eingangstür gab es Geschrei, drohte ein Handgemenge. Die Gemüter sind auch Tage später nur schwer unter Kontrolle zu bringen.

Die klassischen Streiche zum Schulende sind längst durch kanalisierte Bahnen erfasst und meist auch keine Überraschung für den Lehrkörper mehr. Der macht „gerne“ mit und schon ist der Spaß garantiert.

„Sofern der übliche schulische Ablauf nicht gestört wird und gemeinsam mit den Klassenleitungen und dem Abteilungsleiter Veranstaltungen geplant werden, ist meinerseits nichts einzuwenden“, teilte Brigitte Parras, Leiterin der Martin-Luther-King-Schule, den Erziehungsberechtigten und Schülern des 10. Jahrganges Anfang Juni mit. Denn sie befürchtete, dass die trotz eines Verbotes die angekündigten „Chaostage“ aus dem Ruder laufen könnten.

Der Brief wirkte. Nur fünf Schüler nahmen die Sache auf die leichte Schulter, schlenderten zum Schulhof des Gymnasiums im Loekamp, tranken Bier, rauchten und hörten Musik. Klar, dass einer von ihnen sofort erkannt wurde, schließlich war er hier früher mal Schüler. Seine Ex-Lehrerin kam, es gab eine heftige Auseinandersetzung, bei der sich die Lehrerin offenbar bedroht fühlte. Zwei Tage später entschuldigten sich drei Schüler beim Direktor. Der nahm die Entschuldigung an.

Doch das böse Ende kam noch für die drei. Denn Schulleiterin Brigitte Parras machte ihre Ankündigung wahr: Wer gegen die Regeln verstößt, wird von der Entlass-Feier ausgeschlossen. Die Eltern wurden informiert.

Die glaubten nicht an die konsequente Haltung der Schulleiterin und kamen doch. Am Eingang kam es eher zufällig zum Zusammentreffen. Die Eltern wollten die Entlassfeier genießen, Brigitte Parras machte von ihrem Hausrecht Gebrauch. Es wurde hektisch, laut. „Nasenspitze an Nasenspitze“ habe man sich gegenübergestanden, regte sich eine Großmutter auf. Es hieß, die Polizei würde kommen – erst dann verzichteten die Eltern wütend und enttäuscht.

Fünf Verfehlungen mussten sich die Schüler vorhalten lassen: Schulhof verlassen, Blau gemacht, Hausfriedensbruch, Alkohol-und Nikotingenuss. Ein Vater hatte angeboten, die Betroffenen sollten als Strafe den Müll der Entlassfeier wegmachen.

„Die Eltern haben diese Strafe als zu hoch empfunden“, sagt Brigitte Parras. Aus ihrer Sicht als Pädagogin und Schulleiterin müssten sich Kinder auf Aussagen verlassen können. „Hierzu zählt auch die Verlässlichkeit einer angedrohten Sanktion.“ Sie sei auch nicht „schematisch“ vorgegangen und hätte die Geschehnisse und das Alter der Schüler angemessen berücksichtigt.

Immerhin, bei der späteren Stufenfeier seien alle wieder dabei gewesen. Die drei betroffenen, so Brigitte Parras, seien zwar traurig gewesen, hätten ihr Vorgehen aber nachvollziehen können. Bei den Eltern saß die Enttäuschung tiefer, sie hatten sich auch Tage später nicht beruhigt.

Und zumindest in einem Fall machten sie sich Sorgen, könnte der ausgeschlossene Schüler auf Rachegedanken kommen.

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