
Von Michaela Cornelius
Herten. Es sollte ein Ort der Erinnerung sein, eine Stätte des Gedenkens, ein Platz der stummen Zwiesprache mit seinem toten Sohn. Ein Kreuz mit „Ewigem Licht“ markierte an der Straße „Über den Knöchel“ die Stelle, an der vor acht Jahren Thorsten Badohl zusammen mit seinem Freund Alexander bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.
Vater Thomas hatte ein Jahr nach diesem tragischen Unfall die Gedenkstätte initiiert. „Freunde meines Sohnes hatten damit angefangen, doch das war mir zu heiß. Also habe ich vorgeschlagen, dass wir den offiziellen Weg gehen.“ Mit Genehmigung der Stadt Herten stellte der Vater am 23. September 2002 ein von einer Profi-Tischlerei hergestelltes Kreuz auf und eine Friedhofslampe. „Das war kein Billigteil, das war eine Lampe mit Klotz zum Eingraben dran“, erklärt Thomas Bardohl.
Alle zwei Tage bringt der 51-Jährige frische Blumen an die Unfallstelle. „Weder bei meinem Sohn noch bei seinem Beifahrer wurden Alkohol oder Drogen nachgewiesen. Bis heute ist der Unfallhergang ungeklärt.“ Mit der Gedenkstätte hat er für sich und seine Frau Helga einen Weg gefunden, das Unglück zu begreifen. „Thorsten war erst 21 Jahre alt und gerade mal drei Monate in seiner neuen Wohnung.“ Und plötzlich wurde sein einziger Sohn aus dem Leben gerissen. Die Gedenkstätte gab da ein wenig Trost.
Jetzt steht Thomas Bardohl fassungslos vor einem leeren Platz. „Der Kreis hat alles weggerissen mit Stumpf und Stiel“, schäumt der verwaiste Vater.
Jochem Manz, Pressesprecher des Kreises, weist darauf hin, dass Gedenkstätten an Kreisstraßen grundsätzlich geduldet werden. „Hier sah es für die Mitarbeiter so aus, dass Glassplitter von der Lampe auf der Straße lagen. Das Kreuz war verblichen und so haben sie gehandelt.“ Zudem sei die Genehmigung der Stadt Herten im Oktober vergangenen Jahres ausgelaufen. „Dennoch spricht nichts dagegen, die Gedenkstätte wieder aufzubauen.“
Von Glassplittern weiß Thomas Bardohl nichts. „Ich war doch noch einen Tag zuvor da, habe für meinen Jungen ein Weihnachtsbäumchen und frische Blumen gebracht.“
Einen Entschuldigungsbrief vom Landrat hat er. „Meine Betroffenheit will er nachvollziehen können – das glaube ich doch nicht.“ Auch weist Landrat Jochen Welt in seinem Schreiben darauf hin, dass der Kreis keine Gefühle verletzen wollte und bietet an, das Kreuz wieder aufzustellen. „Das funktioniert doch nicht“, erbost sich der Kreisangestellte im Archivwesen, „die Gedenkstätte war durch einen Pastor eingesegnet. So einfach ist das nicht.“
In seinem Schreiben weist Jochen Welt auch noch darauf hin, dass der Fachdienstleister Klaus-Jürgen Tinnefeld jederzeit zu einem Gespräch bereit sei. Das bringt Thomas Bardohl erst recht auf die Palme. „Seit wir draußen rauchen müssen, haben wir uns regelmäßig gesehen. Da hätte er mich doch ansprechen können.“
Thomas Bardohl hat Strafanzeige gegen den Kreis gestellt sowie die Bezirks-und Landesregierung eingeschaltet.

