
Herten. Am 9. November jährt sich zum 70. Mal die Nacht, die als Reichspogromnacht in die Geschichte eingegangen ist. In diesem Novemberpogrom des Jahres 1938 organisierten und lenkten die Nationalsozialisten reichsweit Gewaltexzesse gegen deutsche Juden. In einem Gedenkvortrag wird Stadtarchivar Dr. Michael Hensle am Mittwoch, 12. November, um 19 Uhr im Glashaus über diese Ereignisse und den weiteren Schicksalsweg der in Herten verbliebenen Juden berichten, der Eintritt ist frei.
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden von Nationalsozialisten, SA und SS in ganz Deutschland Synagogen in Brand gesteckt. Überall kam es zu Plünderungen jüdischer Läden und Geschäfte, viele wurden demoliert oder gänzlich zerstört. Hunderte von Menschen fanden bei den Gewaltaktionen den Tod und rund 30.000 Juden wurden in Konzentrationslager verschleppt. Als zynischer Höhepunkt dieser Barbarei wurde der deutschen Judenschaft zusätzlich eine „Buße“ von einer Milliarde Reichsmark auferlegt.
Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA), Kreisvereinigung Recklinghausen, lädt zu einer Kranzniederlegung am Mahnmal in Scherlebeck um 11 Uhr ein. Dazu sind alle Bürger eingeladen. Das Mahnmal wurde von Schülern der Martin-Luther-Schule zusammen mit einem Künstler entwickelt und gebaut, steht auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Scherlebeck und erinnert an die Opfer der Nazidiktatur. In der in den 30er Jahren schon stillgelegten Zeche Scherlebeck wurden während des 2. Weltkrieges Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene untergebracht.
In Herten kam der Reservesturm der SA erst spät zum Hause der jüdischen Kaufleute Mendlicki in der Marktstraße (heute Kurt Schumacher-Straße in der Höhe des Circel). „Eine solche Schweinerei machen wir nicht mit“, soll der Reservesturmführer der SA gesagt haben, nachdem er die Verwüstungen im Hause Mendlicki gesehen hatte, den die aktive SA bereits angerichtet hatte. Er ließ den Reservesturm wieder abrücken. Außer einer Ermahnung der NS-Kreisleitung hatte das übrigens keine Folgen.
„Nein sagen war auch in den Jahren 1933 bis 1945 möglich, obwohl das damals viel mehr Zivilcourage benötigte als heute“, betont Hans-Heinrich Holland, stellvertretender Vorsitzender der VVN-BdA. „Wir wollen am 9. November auch Nein sagen zu Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit und Diskriminierungen aller Art.“

