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Finanzkrise: Welche Folgen für das Vest?

Vest (sl). Andreas Geilmann-Ebbert ist Vorstandsdirektor der Volksbank Marl-Recklinghausen. Mit ihm sprachen wir, um uns die Folgen der Finanzkrise, insbesondere für die bürger im Vest Recklinghausen erklären zu lassen.

Sonntagsblatt: Herr Geilmann-Ebbert, müssen sich Bankkunden in Deutschland Sorgen um ihr Geld machen?

Geilmann-Ebbert: Nein, nachdem die Kanzlerin eine Staatsgarantie für die Einlagen aller Bankkunden in Deutschland ausgesprochen hat, ist das Geld der Sparer bei allen Banken sicher. Vor dieser Garantie waren nur die Einlagen der Volksbank-und Sparkassenkunden wirklich zu 100 Prozent sicher.

Sonntagsblatt: Hat Sie die Krise überrascht?

Geilmann-Ebbert: Dass es in den USA eine Immobilienkrise gab, die sich auf die Banken ausweiten könnte, war spätestens seit letztem Jahr bekannt. Mich hat allerdings überrascht, wie sprunghaft diese Krise nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Bank Lehmann Brothers auf die normale Wirtschaft durchgeschlagen ist. Wir lesen heute überall, dass es in den vergangenen Jahrzehnten noch nie so starke Auftragseinbrüche bei der Industrie gab wie im Moment.

Sonntagsblatt: Sie meinen die Automobilindustrie?

Geilmann-Ebbert Der Automobilindustrie geht es seit 2007 schlecht – auch den Automobilhändlern. 2006 wurden wegen der drohenden Mehrwertsteuererhöhung viele Autokäufe vorgezogen. Seit 2007 ist dann der Absatz stark zurückgegangen, und die extrem hohen Benzinpreise, unter denen wir alle ja bis vor ein paar Wochen zu leiden hatten, haben dieser Branche auch sehr geschadet. Dass der Benzinpreis im Moment zurückgeht, ist eine gute Nachricht. Sie entlastet die Verbraucher, die so etwas mehr Geld zur Verfügung haben.

Sonntagsblatt: Merken Sie die Krise?

Geilmann-Ebbert: Im Geschäft unserer Kunden kann ich bis jetzt keine Krise feststellen – zumindest keine in dem Ausmaß, wie man sie in vielen Medien lesen kann. Das Problem ist sicher die Stimmung – und die ist viel schlechter als die Lage. Das ist natürlich eine Gefahr. Wirtschaft hat viel mit Psychologie zu tun.

Sonntagsblatt: Profitieren Sie von der Krise?

Geilmann-Ebbert: Ja. Wir haben in den letzten Wochen viele Kunden gewonnen, die ihr Geld früher bei Privat-oder reinen Onlinebanken hatten. Die haben jetzt ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit und Qualität. Ich glaube auch, das wird anhalten. Sicherheit wird in Zukunft ein viel wichtigeres Kriterium bei der Auswahl der Geldanlage werden als bisher schon.

Sonntagsblatt: Wie wird sich die Krise auf das nördliche Ruhrgebiet auswirken?

Geilmann-Ebbert: Wir haben durch den Strukturwandel ohnehin zahlreiche Probleme, aber wir haben auch Vorteile: Die Chemie ist hier ein stabiler Faktor. Bis auf Hella in Recklinghausen haben wir auch nicht sehr viele Automobilzulieferer. Auch wenn wir den Abschwung spüren werden, härter wird es Städte wie Frankfurt treffen, bei denen die Finanzwirtschaft ein wichtiger Arbeitgeber ist. Wir stehen nicht im Zentrum der Krise.

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