Dorsten. Ein vergessener deutscher Soldatenfriedhof aus dem Ersten Weltkrieg im Osten Lettlands in der kleinen Gemeinde Sece war auf eine Bitte des lettischen Brüderhilfekommitees hin das Ziel des diesjährigen Arbeitseinsatzes für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) von zehn Reservisten der Bundeswehr der Kreisgruppe Recklinghausen/Gelsenkirchen – überwiegend aus der Dorstener Reservistenkameradschaft Muna Wulfen – sowie zweier aktiver Soldaten.
Die neben einer alten Kirche gelegene Kriegsgräberanlage zeigte sich in einem völlig überwucherten Zustand, die Kreuze waren zum Teil zerbrochen oder umgestürzt, das Ehrenmal zerstört und die Einfriedungsmauer kaum noch zu erkennen. Zudem standen zwischen den Kreuzen viele hochgewachsene Bäume – jede Menge Arbeit wartete auf die Helfer bei ihrem freiwilligen Einsatz.
In insgesamt rund 1.100 Arbeitsstunden richteten die Reservisten und Soldaten die Kreuze wieder auf, säuberten und klebten sie und richteten die Kreuze wieder aus. Die Eingangsanlage wurde neu aufgemauert, verputzt und neu gestrichen. Auch wurde eine 100 Meter lange Mauer aus großen Feldsteinen aufgeschichtet und das Ehrenmal der 6. Kavallerie-Division von 1915 neu aufgebaut.
Nach dem Fällen von 28 Bäumen und dem Freischneiden der 2 600 Quadratmeter großen Fläche von Gestrüpp und wucherndem Gras wurde so auch langsam die Struktur des Friedhofes erkennbar. Zusätzlich wurden die Daten aller Grabkreuze für das Archiv des Volksbundes aufgenommen. Oberst der Reserve Jens Gerstenkorn, der den Arbeitseinsatz leitete: „Vielleicht findet eine Familie so doch noch das Grab eines Angehörigen.“
Mit einer feierlichen Zeremonie konnte der vollständig hergerichtete und landschaftlich schön am Ufer der Düna gelegene Friedhof der Bürgermeisterin und dem zuständigen Pastor von Sece unter Beteiligung der Bevölkerung und etlicher Honoratioren wieder übergeben werden.
Zwölf Tage waren die Reservisten und Soldaten vor Ort, für die jeweils 1.800 Kilometer Hin-und Rückfahrt wurden zwei Tage benötigt. Übernachtet wurde in zwei Blockhäusern auf einer Waldlichtung. „Versöhnung über den Gräbern“ lautete das Motto, unter dem die Dorstener im Sinne der Völkerverständigung in Lettland arbeiteten. Von der dortigen Bevölkerung wurden sie sehr freundlich aufgenommen und oft bei ihrer anstrengenden Arbeit besucht.

