
Haltern (rk). Der Blick in den Garten zeigt sofort: Hier handelt es sich nicht um einen gewöhnlichen, gepflegten „feinen“ Garten fürs Auge. Bei Carola De Marco findet man einen naturnahen Wildgarten mit vielen Kräutern.
Im November 2007 beendete die Halternerin, die hauptberuflich als Exportkauffrau arbeitet, ihre Ausbildung zur staatlich zertifizierten Kräuterpädagogin. In der Gundermannschule in Bad Münstereifel lernte sie die traditionelle Kräuterkunde, aber auch die Ethnobotanik: die Wissenschaft vom Studium der Pflanzen (Botanik) in Bezug auf ihre Verwendung durch den Menschen: als Nutzpflanzen, als Medizin (Ethnopharmazie, Pflanzenheilkunde) und in Brauchtum.
„Es geht darum, die heimischen Wildkräuter wieder ins Blickfeld zu rücken und zwar nicht als Unkräuter, sondern eigentlich aus alter Perspektive. Damit sie als Lebensmittel betrachtet werden“, erklärt die Kräuterpädagogin. „Früher war es gang und gäbe, dass die Menschen sich mit dem beschäftigten, was in Wald und Wiese wächst.“
Viel Wissen ist mittlerweile untergegangen: Eine Handvoll Wildkräuter liefert rund das Zehnfache an Vitaminen und Mineralstoffen wie eine vergleichbare Menge Kopfsalat. Kräuter wie Gänseblümchen oder Löwenzahl enthalten Bitterstoffe, die gut für die Verdauung sind. „Die Brennnessel halte ich für die Königin der Unkräuter. Richtig zubereitet ist sie eine gesunde und schmackhafte Nährstoffbombe; sie ist Kinderstube unzähliger Schmetterlinge; sie pflegt Haut und Haare; sie dient als Dünger oder Läusevernichter“, erklärt Carola De Marco. „Ich möchte die Menschen für die Wild-und Unkräuter begeistern und sie davon überzeugen, indem ich sie unter anderem über den Geschmacksinn dorthin führe.“ Dazu gehört auch mal eine Tast-und Reibeprobe mit Finger und Daumen an einem Beinwell-Blatt.
Carola De Marco geht auf Ähnlichkeiten und Gefahren ein: Fingerhut sei sehr giftig und trotzdem für medizinische Zwecke eine sehr wertvolle Pflanze. Man könne ihn leicht mit dem raueren Beinwell verwechseln, besonders die Jungpflanze. Beinwell könne als Gemüsepflanze genutzt werden.
Die Kräuterpädagogin hält vielerlei Hinweise und Tipps parat: „Petersilien ist in großen Mengen giftig. Löwenzahn schmeckt lecker und ist sehr schön, doch wer eine Korbblütler-Allergie hat, sollte ihn meiden. Im Herbst kann man die Löwenzahnwurzeln ausgraben, sie rösten und daraus Kaffee oder einen Likör herstellen. Die Blätter sind zu dieser Zeit bitter. Man kann sie feinschneiden und als Gewürz dem Salat zufügen.“
Von den rund 280 Un-Kräutern sei ein Drittel bedroht, erläutert die Fachfrau: Im Garten verteufelt, in der Landwirtschaft als Plage bekämpft. Dabei gibt es so viel über sie zu berichten: „Ich mache Führungen vom zweistündigen Schnupperwandern bis hin zu ganztägigen Workshops (Tel. 02364/ 935330). Dabei können die Teilnehmer Kräuter sammeln und ein Menü zubereiten.“
Wichtig seien Artenkenntnisse, sagt Carola De Marco. Um Verwechselungen mit wichtigen Pflanzen auszuschließen. Und um den Menschen den Wert der Un-Kräuter wieder nahe zu bringen.

