Grüne Algen auf den Häusern und eine moosüberwachsene Treppe – hier vor diesen Häusern in Barkenberg werden gerade etliche Bäume entfernt, welche für zuviel Schatten sorgen. FOTO: Mengedoht
Vest (eib). Die einen freuen sich über das Markenzeichen für Lebens-Qualität, die anderen stöhnen über Schatten, grünen Schmier, Arbeit und Kosten. Grüne Natur ist zu einem wertvollen Gut geworden, das sich nicht jeder leisten kann. In Dorsten hat sie bereits die Neue Stadt Wulfen fest im Griff. In Marl muss sie für Neugestaltungen, Parkplätze oder in Gewerbegebieten weichen.
Wie schwer es das Grün hat, zeigt sich an der Sportanlage neben dem Marler Doppelgymnasium. Wegen der „sehr engen Platzverhältnisse“ müssen 50 Buchen für den künftigen Parkplatz weichen, aber auch für Baufahrzeuge. Ersatz ist versprochen. Doch was sind schon Neuanpflanzungen gegenüber dem mächtigen, eindrucksvollen Bestand, klagen die Grünen. Die Stadt hat versprochen, bei der Parkplatzberechnung nun auch die Angebote der Schulen und des Hans-Böckler-Berufskollegs zu berücksichtigen. Ein Ortstermin wurde abgelehnt. Der Landschaftsarchitekt hatte von „einigen Bäumen“ gesprochen, die wegfallen, und nur sieben neuen Bäumen.
Dass bei der See-Umgestaltung Bäume fallen, hat die Verwaltung nicht ausdrücklich angekündigt, lediglich von Gehölz ist die Rede. Das Fällen „einiger Bäume“ ist jetzt angekündigt worden, 19 neu sollen dafür gepflanzt werden.
In Dorsten stöhnen die Bewohner von Barkenberg unter dem üppig sprießenden Grün. Zahlreiche mächtige Bäume haben die unteren Etagen derart verschattet, dass die Bewohner murren. Weißer Außenputz ist mit Grün überzogen, kleine Büschlein sind zu meterhohen „Gebirgen“ gewachsen. Ein Spielplatz muss freigeschlagen werden, damit er überhaupt noch benutzbar ist. Wie gut, dass der Stadtumbau gerade dabei ist, dem Kern der Wohnsiedlung einen neuen Charakter zu geben, da passt sich eine kräftige Grün-Reduzierung nahtlos an.
In Marl zeigte die Politik Verständnis für verschattete Wohnungen und ließ den Bürgern freie Hand. Entsetzt registrierte man, dass in kürzester Zeit die ganze Siedlung nahezu baumfrei war.
Immer häufiger gehen die Städte dazu über, Straßenbegleitgrün zur pflegeleichten Rasenfläche zu reduzieren. Das spart Kosten. In Büschen verfängt sich zu viel Unrat und die einmalige Frühjahrspflege mit Hilfe der Bevölkerung reicht da nicht aus.
Viel schwerer war da die Marler Entscheidung über ein kleines Eichenwäldchen in einem Gewerbegebiet in Sinsen. Das stand Großtransportern im Weg. Am Ende siegte das Argument, die Zukunft eines Stahlverarbeitenden Betriebes sei in Gefahr.
Und welche Stadt ist nun grüner? Dorsten fährt in diesem Herbst 1.000 Tonnen Laub ab, Marl 450 Tonnen.

