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„St. Martin verraten, dafür braten“

FOTO: Boscolo/pixelio

Es wird dunkel. Kinder schauen mit leuchtenden Augen auf ihre Laternen. Sie lieben diese Zeit um den 11. November herum. Denn nach dem traditionellen St. Martins-Umzug und der Darstellung der Mantelteilung dürfen sie von Haus zu Haus ziehen, Lieder singen und werden mit Süßigkeiten belohnt.

Jeder kennt die Geschichte der Mantelteilung von Martin von Tours: Hoch zu Ross gibt er dem Bettler zu seinen Füßen die Hälfte des Mantels ab. Aber: Er saß gar nicht auf einem Pferd. Die Darstellung entspringt einer Vorstellung aus dem frühen Mittelalter. Ehrenwerte Personen kamen als Ritter – und wie der Name schon sagt, sind Ritter zu Ross unterwegs. So erhielt auch St. Martin kurzerhand ein Pferd. Auf www.martin-von-tours.de findet sich mehr Theologisches und Kurioses zum Schmökern und Schmunzeln.

Überall in Deutschland liegen zu St. Martin auch die Gänse als Festtagsbraten auf dem Tisch. Grund für diesen Brauch ist die Legende um den Heiligen St. Martin, der in einem Gänsestall Zuflucht suchte, als ihn die Bürger zum Bischof weihen wollten. Die Gänse schnatterten lauthals und verrieten ihn – oder wie der Volksmund sagt: „Die Gänse haben St. Martin verraten, dafür müssen sie jetzt braten.“

So landen zwischen November und Weihnachten rund zehn Millionen Gänse auf deutschen Tellern. Das Fleisch wird jedoch zur Wintersaison massenweise aus Polen und Ungarn importiert, wo die Bauern das Federvieh in nur neun Wochen auf drei kg Gewicht mästen und teils sogar lebendig rupfen. Das bedeutet nicht nur Qualen für die Tiere, sondern auch schlechteren Geschmack. Es lohnt sich daher, ein paar Euro mehr auszugeben und eine heimische Gans zu kaufen, raten sowohl der Naturschutzbund Deutschland als auch die Verbraucherzentrale. Einheimische Gänse haben meist ein doppelt so langes und artgerechteres Leben, bis sie beim Schlachter landen. Besonders zu empfehlen sind Biogänse – diese bekommen vorwiegend Getreide zu fressen und erhalten keine vorbeugenden Arzneien.

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