Marl (eib). Rosi-Reisen wird Marl nicht verlassen. Auch wenn das schon so zu lesen war. Aber Johannes-Gerd Overhoff, Senior-Chef des Busunternehmens, ist doch so sauer auf die Stadt, dass er ein Signal setzen möchte: Über Jahrzehnte habe man der Stadt die Treue gehalten und plötzlich wird der Schülerspezialverkehr gestoppt. Wirtschaftlich unerklärlich ist ihm das. Und nicht nur das, auch sechs Arbeitsplätze im eigenen Unternehmen stehen damit auf der Kippe.
Hinter dem Problem des Marler Unternehmers steckt eigentlich ein anderes Problem: Für rund 780.000 Euro jährlich bringt die Stadt bislang ihre Grundschulkinder sicher an den Lernort und zurück. Die kann man einsparen, stellte die Bürgermeisterin Anfang des Jahres fest, denn die anderen Kreisstädte machen das auch nicht.
Die Folge war ein Proteststurm: Eltern verwiesen auf viele problematischen Schulwege und darauf, dass sie sich auf diesen Schülerspezialverkehr eingerichtet hätten. Johannes-Gerd Overhoff, senior wie junior, verwiesen unter anderem auf die Bedeutung dieser Transport-Aufgabe für ihr Unternehmen. Denn sie sind, trotz und wegen der öffentlichen Ausschreibung, die Dauer-Auftragnehmer.
Es ist gleichwohl nicht das Zentrum ihrer Aktivitäten. Rosi-Reisen, in den 70er Jahren gegründet, macht sich seit langem einen Namen mit exklusiven Bussen mit allem Komfort. Fußballvereine von Spanien über Italien bis in die Türkei sind Kunden der Marler. Eine halbe Million Euro kostet so ein Gefährt, das keinen Wunsch offen lässt. Daneben werden Busreisen durch ganz Europa angeboten.
Rosi-Reisen und Marl – die beiden Namen werden von ihnen durch ganz Europa getragen, betonen Vater und Sohn nicht ohne Stolz. Man fühle sich eben mit der Stadt verwachsen und habe alle Abwerbungs-Angebote abgelehnt, erklärt der Gründer des Firmenimperiums (70 Mitarbeiter, 60 Busse). Inzwischen hat man ein 13.000 qm großes Betriebsgelände.
Und das will man jetzt aufgeben, nur weil die Stadt keinen Schülerspezialverkehr mehr anbietet? Gar in eine andere Stadt umziehen? Nein, so sei das nicht zu verstehen, erklärt der Senior. Aber man könne sich vorstellen, die Firmenzentrale in eine andere Stadt zu verlegen. Von Dorsten oder Datteln hatte er schon Anfang des Jahres im Schulausschuss geredet.
Die Stadt Marl hat nämlich inzwischen ohne Rosi-Reisen weiter geplant: Die betroffenen Schüler könnten sich Schoko-Tickets kaufen (die Stadt will da sogar finanziell einspringen) und mit der Vestischen fahren. An anderer Stelle werde die Vestische ihr Angebot ausweiten, so weit ist man sich schon einig. Das könne niemals ohne Mehrkosten geschehen, vermutet Overhoff. Insgesamt glaubt die Stadt, so immerhin rund 150.000 Euro einsparen zu können.
Johannes-Gerd Overhoff hofft noch auf einen Kompromiss. Noch ist seine Treue zu Marl nicht endgültig begraben.

