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„Wir befinden uns alle im freien Fall“

FOTO: Cornelius

Vest (mc). Wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer an einem Strang ziehen und gemeinsam gegen ein Gesetz kämpfen, darf man diesen Umstand getrost historisch nennen. Beim Aktionsbündnis „Rettet die Krankenhäuser – der Deckel muss weg“ hat sich ein breites Spektrum von Betriebs-und Personalräten, Gewerkschaftsvertretern und Arbeitgeberverbänden zusammengefunden, um gegen die Budgetierung der Krankenhäuser anzugehen.

Jedes dritte Krankenhaus schreibt inzwischen rote Zahlen und auch bei den Krankenhäusern, denen es zur Zeit noch gut geht, ist das Abrutschen vorherzusagen. „Wir befinden uns alle im freien Fall“, erklärt Andreas Wachtel, Geschäftsführer der Vestischen Kinder-und Jugenklinik in Datteln, „wir sind nur unterschiedlich weit vom Aufschlagspunkt entfernt.“

Krankenhäuser erhalten nur noch so viel Geld mehr, wie die Menschen, welche die Krankenkasse bezahlen, mehr verdienen. Das war aber nicht viel in den letzten Jahren. Gleichzeitig sind die Kosten für Lebensmittel und Energie gestiegen. Die Krankenhäuser haben in den letzten Jahren etwa 100.000 Stellen abgebaut, 50.000 davon in der Pflege. So muss heute eine Krankenschwester 35 Prozent mehr Kranke versorgen als noch 1996.

Teilweise schiebt das Personal 1.600 bis 1.800 Überstunden vor sich her, ohne die Möglichkeit des Abbaus oder gar der Abgeltung. „Bei mir sieht das so aus, dass ich keine Freizeit mehr planen kann“, erzählt Krankenpfleger Andreas Griegoleit. „Ich muss am Feierabend oder zum Wochenende immer mit einem Anruf rechnen.“

Das führe zum Burn-out-Syndrom, Depressionen und anderen Krankheiten, erklärt Andrea Becker von ver.di. „Aus meiner Beratungspraxis weiß ich, dass das Maß mehr als voll ist.“ Und auch Andreas Wachtel stimmt zu: „Das geht über das Maß hinaus, was wir als Arbeitgeber verlangen können.“

Da auch Investitionen der Krankenhäuser selbst erwirtschaftet werden müssen, existiert inzwischen ein Investitionsstau von 210 Millionen Euro. Aus diesem Grund fahren Mitarbeiter der Krankenhäuser am 25. September nach Berlin, um gegen die „Anbindung an die Grundlohnsumme“ (= Deckel) zu protestieren.

„Man könnte statt des Deckels vielleicht ja einen Warenkorb für Krankenhäuser entwickeln, der jedes Jahr vom Statistischen Bundesamt neu berechnet wird“, ist einer der Vorschläge, die aus den Reihen der Krankenhaus-Geschäftsführung auf den Tisch gelegt werden.

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