FOTO: Sonderkamp
Datteln (rs). Diese beiden sind zu beneiden: Jörn Frigge (25) und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Tim aus Datteln sind umschwärmt von ganzen Geschwadern flotter Bienen. Und wann immer sie wollen, können sie in vollen Zügen deren volle Süße genießen.
Im Dattelns tiefstem Süden, in Meckinghoven, betreiben die beiden ihre süße Leidenschaft. In einem schmalen Gehölzstreifen zwischen den Äckern haben die Frigges ihren Bienenstock aufgestellt, einen brusthohen Holzverschlag mit aufklappbarem Dach.
Von dieser künstlichen Behausung aus schwärmen zwei Bienenvölker bis zu drei Kilometer weit in die Gegend, setzen sich in Datteln, Castrop-Rauxel, Oer-Erkenschwick, Recklinghausen und Waltrop auf duftende Blüten, um Nektar zu saugen. Damit wollen sie nicht etwa den Frigges gefällig sein, sondern für den eigenen Nachwuchs sorgen, der den Eiern der Königin in großer Zahl entschlüpft.
Mindestens einmal die Woche sorgen die beiden Imker für ihre schwarz-gelb gewandeten Lieblinge, je nach Jahreszeit bis zu vielleicht 140.000 an der Zahl. Die jungen Männer nehmen die Waben heraus und sehen nach den Königinnen, die dank eines winzigen farbigen Aufklebers leicht zu finden sind.
Angst vor Bienen ist nach Jörn Frigge fehl am Platz. „Wenn man denen nichts tut, dann tun die einem auch nichts.“ Doch sie mögen es überhaupt nicht, wenn man ihnen an den Honig geht. Deshalb tragen die Brüder beim Hantieren am Bienenstock nicht nur Schutzanzüge, sondern sorgen mit glimmenden Holzspänen oder getrockneten Pilzen für Qualm, der die stachelbewehrten Nektarsammler auf Distanz hält. Hin und wieder fangen sie sich trotzdem den einen oder anderen Stich ein – doch welche Liebe ist schon ohne Schmerz zu haben.
Auslöser ihres unter jungen Leuten nicht gerade verbreiteten Steckenpferdes war der Opa, der seit 70 Jahren dieser Passion nachgeht. Er nahm seine kleinen Enkel oft bei der Hand, wenn er nach den Bienen sah. Jahre später stiegen den beiden ihre frühen Eindrücke wieder in den Sinn. Jörn trat sogar dem Imkerverein Recklinghausen bei und erwarb in neun Schulungen weiteres Knowhow.
Als dann der Opa noch zwei Bienenvölker spendierte, konnte es losgehen. Ende Mai, nach der Rapsblüte, stand die erste Ernte an. In der Zentrifuge des Imker-Vereins wurde der Ertrag aus den Waben geschleudert – und die beiden Frigges freuten sich über rund 50 Kilo besten Rapshonig. Inzwischen ist noch ein Zentner Lindenhonig dazugekommen, macht insgesamt 200 Gläser.
Nun wird bei Frigges emsig Honig genascht, und immer mehr Nachbarn helfen mit. „Einer hat gleich 15 Gläser mitgenommen“, freut sich Tim. Meckinghoven ist, so scheint es, um eine süße Attraktion reicher.

