Marl. Eine der vielen Brücken in Marl über den Wesel-Datteln-Kanal war überflüssig und sollte abgerissen werden. Das war vor zwei Jahren, jetzt bleibt sie doch erhalten, der Chemiepark übernimmt die Lippramsdorfer Brücke (im Zuge des Oelder Weges). Und damit bleibt rund 300 Werksangehörigen aus Richtung Haltern ein fünf Kilometer langer Umweg erspart.
Schon lange hat die Stahlfachbrücke, die in diesem Jahr 75 Jahre alt wird, aus Richtung Mersch keine überörtliche Bedeutung mehr sondern diente lediglich als Parkplatzzufahrt. Deshalb sollte die Kreisstraße zur Gemeindestraße herabgestuft werden. Damit hätten Marl und Haltern je eine halbe Brücke bekommen, denn die Stadtgrenze verläuft genau in der Mitte der Lippe.
Marl hatte weder Lust noch Geld, die Brücke zu erhalten. Denn allein ein Korrosionsschutz hätte die Abbruchkosten von rund 200.000 Euro überstiegen. Vielleicht hätten sogar einzelne Stahlteile ausgetauscht werden müssen. Eine Fußgängerbrücke als Ersatz hätte keinen Sinn gemacht, weil dann eigene Parkplätze auf der Nordseite hätten angelegt werden müssen. Weil allerdings eine Ferngasleitung mit dem Bauwerk verbunden ist, wollte der Chemiepark erst einmal eine Wirtschaftlichkeitsberechnung durchführen.
Überrascherweise will der Chemiepark nun doch die Brücke erhalten. Dafür sollen 126 Meter Kreisstraße auf Marler Gebiet abgestuft, eingezogen und dann als Privatstraße verkauft werden. Ein Vertragsentwurf liegt schon vor.
Wovon keine Rede ist: Die Lippebrücke ist bei Hochwasser ein Nadelöhr im Naturschutzgebiet der Lippeauen. Bei einer Rückverlegung der Norddeiche, wie sie derzeit geplant ist, würde das Bauwerk tief in das Überschwemmungsgebiet hineinragen.

