Von Gert Eiben
Marl. Das chinesische Welthandelszentrum in Marl hat wohl keine Chance mehr. Denn gegen Qing Wang, den Kontaktmann und die Schlüsselfigur, ermittelt die Staatsanwaltschaft Bochum wegen Steuerhinterziehung – angeblich in Millionenhöhe.
Über Qing Wangs Geschäfte ist offiziell nur so viel bekannt, dass er der Betreiber zweier China-Lokale im Kreis (Marl und Oer-Erkenschwick) ist. Und dass er außerordentlich gute Kontakte zu fernöstlichen Entscheidungsträgern hat. Die waren die Basis des Groß-und Außenhandelszentrums an der Herzlia Allee. Wang selber hielt sich seit der ersten Präsentation meist im Hintergrund.
Überhaupt wollte er nicht gerne über seine Geschäfte reden – seine chinesische Bescheidenheit. Dafür redeten andere umso mehr. Offenbar fädelte er mehrfach Geschäfte in Marl ein, wie Beteiligte dem Sonntagsblatt erklärten. Unter anderem sollte es um ein Geschäft für Bad-Zubehör gehen. Andere erzählten von Importen griechischen Marmors und Vermittlung von Finanzierungen. Sein Fuhrpark an Privatwagen wurde bewundert. Im Hülser Sparkassen-Hochhaus hatte er Räumlichkeiten angemietet – für welches Geschäft, das wurde nicht bekannt. Denn Verschwiegenheit war das oberste Gebot. Klärende Gespräche hatte er dem Sonntagsblatt wiederholt ausgeschlagen.
Kein Geheimnis ist, dass sich Qing Wang für ein 8.000 qm großes Grundstück in Drewer-Süd interessierte, gleich neben dem geplanten China-Center. Dort wolle er Wohnhäuser bauen: Für die chinesischen Familien, aber auch für deutsche. Doch erst einmal muss das China-Center gebaut werden.
Dafür engagierte er sich ständig in seinem Heimatland, knüpfte Kontakte von Freund zu Freund. Erst kürzlich war er wieder mit zwei Juristen aus Marl in West-China. Es ging um Verträge – doch unterzeichnet wurde nichts.
Nicht beteiligt ist er an der neu gegründeten Firma „DS“, die in Deutschland das China-Center bauen soll. Wer diese Firma im Hintergrund mit Geld ausstattet, ist nicht bekannt: Ob es reiche chinesische Firmen sind, die Geld transferieren, oder ob die Finanzierung von einer hiesigen Bank (die Sparkasse Vest ist besonders engagiert) getragen wird, das sei noch nicht entschieden, so die Informationen des Sonntagsblattes.
Es scheint so, als sei Qing Wang viel gewichtiger als seine Bescheidenheit glauben lässt. Denn es ist von Steuerhinterziehungen in Millionenhöhe die Rede. Genauer will sich die Staatsanwaltschaft Bochum mit dem Hinweis auf das Steuergeheimnis nicht äußern. Die Räume im Sparkassenhochhaus wie auch die beiden Lokale wurden bereits vor einiger Zeit von der Steuerfahndung durchsucht.
Stefan Rüter, Vorsitzender der Bürgerinitiative „Bürger gegen Chinatown“ sieht seine langen Befürchtungen bestätigt: „Die Zusammenhänge müssen rückhaltlos aufgeklärt und das Projekt muss endgültig beendet werden, um weiteren Schaden von der Stadt abzuwenden.“
Die Bürgermeisterin hat am Freitag den Vorsitzenden des Lenkungsausschusses, Werner Arndt, gebeten, kurzfristig den Ausschuss und den Geschäftsmann einzuladen, damit er sich zu den Vorwürfen äußern kann.

