Recklinghausen/Marl (eib). Die Recklinghausen-Arcaden, das Einkaufszentrum der Kreisstadt, biegt auf die Zielgerade: Die Ratsfraktionen sind für den Bau des fast 30.000 qm großen Shopping Centers. Bis auf die Grünen. Und bis auf die Stadt Marl.
Noch nicht festgelegt hat sich Recklinghausens SPD. Die hat sich am Mittwoch im Haupt-und Finanzausschuss der Stimme enthalten und weiteren Beratungsbedarf angekündigt. Man wolle sich von niemandem drängen lassen, so SPD-Fraktionschef Frank Cerny. Dafür gab es Kritik von der CDU: Die Sozialdemokraten würden blockieren und bremsen.
Das macht auch (hinter den Kulissen) die Stadt Marl. Die hält die Größenordnung für völlig überzogen und für eine Gefahr für ihr eigenes Einkaufszentrum, den Marler Stern. In Gesprächen soll noch versucht werden, „eine Veränderung der Recklinghäuser Planungen hinsichtlich der vorgesehenen Gesamtverkaufsfläche und der Größenordnung bestimmter Sortimente zu erreichen“, so eine Stellungnahme der Stadtverwaltung.
Marl beruft sich auf die IHK, die vor den 30.000 qm warnt. Während die Recklinghäuser CDU argumentiert, „kleine Schritte“ würden nicht ausreichen, zwei Gutachten vom GMA und GfK hätten die Größenordnung gestützt.
Zusammen mit FDP und „Wir“ will man am kommenden Montag im Rat den Bebauungsplan verabschieden, noch vor Weihnachten will der Essener Investor den Bauantrag einreichen. Im Frühjahr 2009 könnten die ersten Bagger auf dem heutigen Parkplatz Löhrhof II anrollen und mit der Arbeit beginnen.
Wenn nicht Marl dazwischen kommt. Die Stadt hat inzwischen ein Rechts-Gutachten eingeholt. Danach kann Recklinghausen in seinem Abwägungsprozess die Folgen für Marl nicht beiseite schieben, es bestehe ein „erhöhter Rechtfertigungsbedarf“ und es ist „möglich, dass eine Rücksichtslosigkeit anzunehmen ist“.
Auch in Gelsenkirchen regt sich Widerstand, weil man eine Sogwirkung auf Buer befürchtet. Deshalb spricht sich die Stadtverwaltung für einen überregionalen Konsens aus, und dafür, dass die Nachbarstädte an der Planung beteiligt werden.
Marl ist schon viel rigoroser. Ihr Fazit: Es ist „nicht unwahrscheinlich“, dass ein Rechtsverstoß vorliegt. Deshalb denkt Marl an eine Normenkontrollklage (geht aber erst, wenn der Bebauungsplan in Kraft ist). Vorher will Marl in Gesprächen eine Reduzierung erreichen.
Vielleicht also entscheidet Marl über den Baubeginn, und nicht Recklinghausen.

