Vest (eib). Wenn der CDU-Landtagsabgeordnete Josef Hovenjürgen redet, dann redet er für fünf Kreisstädte, Gabriele Sikora (SPD) für immerhin drei, nur Wolfgang Becker redet für seine Stadt, für Recklinghausen. Die Zusammensetzung der Wahlkreisbezirke ist kaum noch zu erklären – es sei denn als Notlösung. Jetzt empört sich die SPD: Die Strukturen sollen geändert werden, die CDU denke an eine andere Aufteilung – und das sei natürlich mit Nachteilen verbunden.
Folgende Kombination ist in die Diskussion geraten: Haltern/Dorsten/ Erkenschwick, Marl, Herten mit Teilen von Gladbeck und Gelsenkirchen, Castrop-Rauxel/Datteln/Waltrop, Recklinghausen.
„Völlig willkürlich und nicht akzeptabel“ empörte sich bereits der Hertener SPD-Vorsitzende Carsten Löcker, zwischen Gladbeck und Herten gebe es nur wenige soziale und wirtschaftliche Kontakte und wegen der negativen Bevölkerungsentwicklung sei schon bald wieder mit einer Änderung zu rechnen.
Dass eine Stadt wie Marl ein Interesse habe, einen einzigen Wahlkreis zu bilden, sei doch natürlich, zeigte der Marler CDU-Vorsitzende Hubert Schulte-Kemper Verständnis. Das seltsame „Rest“-Gebilde des Kreises aus zwei Städten und Teilen von drei weiteren Städten sei doch völlig unlogisch.
Eine Änderung des Wahlkreises schade der SPD, heißt es aus Herten. Und der CDU-Landtagsabgeordnete Josef Hovenjürgen nimmt die Stoßrichtung auf: Der SPD gehe es lediglich um die Festlegung „sicherer“ Wahlkreise, das habe sie über 39 Jahre so gemacht. Und nun unterstelle sie der CDU, genau so handeln zu wollen. So sei es auch zu der teilweise willkürlichen Wahleinteilung im Jahr 2005 gekommen.
Vor fünf Jahren ging es um eine Verkleinerung des Landtages und deshalb um einen Neuzuschnitt. Am Ende stand, immerhin, eine kleine Sensation, denn 2000 hatte der Kreis noch sechs SPD-Landtagsmitglieder, 2005 nur noch vier und ein CDU-Landtagsmitglied (jetzt nur noch fünf Wahlkreise).
Inzwischen hat sich gezeigt, dass der Sturm der Entrüstung vielleicht nur im Wasserglas stattfindet. Offizielle Gespräche hat es zwischen den Landtagsfraktionen nicht gegeben, der Hauptausschuss des Landtages weiß von nichts, eine Notwendigkeit wegen zu starker Abweichungen wird ebenfalls nicht gesehen. Selbst Josef Hovenjürgen erkennt keinen Handlungsbedarf seiner Fraktion: „Ich glaube, das Thema ist erst mal vom Tisch.“

