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Abschiebung weil Papiere nicht zu verstehen sind

FOTO: Mengedoht

Marl (eib). Die Zwillinge Sanaz und Einaz haben gerade den Hauptschulabschluss in Hamm gemacht, der vierjährige Bruder hat den klassischen deutschen Namen Martin und Mutter Heiranie Eskouei geht zum wöchentlichen Elterncafé im Kindergarten und kommt zu den Informationsveranstaltungen. Die Integration läuft wunderbar, meinen die Schule, die Diakonie und der Kinderschutzbund. Doch jetzt soll die Familie in den Iran abgeschoben werden.

Der Vater war vor acht Jahren von dort geflüchtet, weil er sich politisch verfolgt fühlte und im Konflikt mit der Obrigkeit stand. Drei Jahre später kam seine Frau mit den Zwillingen nach. Sie stellten einen Asylantrag – abgelehnt. Sie beantragten Bleiberecht – abgelehnt.

Im Iran drohe der Familie doch nichts Schlimmes, soll die Behörde argumentiert haben. Die Familie macht sich gleichwohl Sorgen, zumal der Sohn im Iran nicht „Martin“ heißen darf – den Namen gebe es nicht, er soll einen anderen Namen bekommen.

Überhaupt hat die Marler Behörde Zweifel, ob die Familie auch eine Familie ist. Wo doch der Vater Fakur mit Familienname heiße. Die Heiratsunterlagen würden einfach nicht anerkannt, erklärt der pensionierte Pfarrer Hartmut Dreier, der sich für die Familie einsetzt. Frau Fakur habe halt ihren Geburtsnamen behalten – wie es auch in Deutschland möglich ist.

Diese und andere Ungereimtheiten werden der Familie zur Last gelegt, jetzt läuft auch noch die Duldungsfrist aus, bis zum 30. Juni soll sie freiwillig ausreisen. Dann hätte es sogar noch eine finanzielle Rückkehrhilfe gegeben. Aber die Familie will hier blieben, der Vater hat Angst, ihm könne die Todesstrafe drohen. Man macht sich noch ein ganz klein wenig Hoffnung, als Familie anerkannt zu werden, dann gäbe es ein Bleiberecht schon nach sechs Jahren und nicht wie bei Alleinstehenden nach acht Jahren.

Am kommenden Dienstag wird sich die Marler Ausländerrechtliche Begleitkommission mit der drohenden Abschiebung befassen. Sie kann nichts entscheiden, nur empfehlen. Mehr Druck kann da schon die Härtefallkommission des Landes machen. Auch dorthin wollen sich jetzt die Marler Helfer wenden. Was eigentlich die genauen Hintergründe der Ablehnung sind, das wüssten sie auch nicht.

Auf Nachfragen von Marl Aktuell druckste die Stadtverwaltung rum: Aus datenschutzrechtlichen Gründen könne sie nichts sagen. Sie weiß, dass sie wieder in die Kritik gerät, weil sie eine Abschiebung durchsetzen will, während viele Mitmenschen das als unbillig empfinden.

Auf der anderen Seite macht auch die Landesregierung Druck. Im März mahnte sie die „Durchsetzung der gesetzlichen Ausreisepflicht für Ausländer“ an. Die Ausländerbehörden der Städte sollen sich rechtfertigen, warum sie noch nicht tätig geworden sind. Nach der Landesstatistik leben in Marl 314 geduldete Ausländer (in Recklinghausen 415). Die Stadtverwaltung Marl lehnte eine Stellungnahme zu dem Thema ab.

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