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Superstau im Revier?

Brauser (l.) und Schönhanting stellten die Studie vor. FOTO: Laurin

Vest (sl). Die Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr GmbH hat eine Studie über die Verkehrssituation im Ruhrgebiet in Auftrag gegeben. Jetzt wurden die Ergebnisse in Essen vorgestellt: Während das Ruhrgebiet im Gütertransport auf der Schiene und dem Wasser relativ gut aufgestellt ist, fehlt es an Autobahnen. Ein Desaster ist der Nahverkehr. Erstellt wurde die Studie von TRC Transportation Research & Consulting GmbH um Professor Jörg Schönhanting.

Die Studie vergleicht das Ruhrgebiet mit den Ballungsräumen Hamburg, Paris, Greater London und Berlin/Brandenburg. Das Ergebnis ist ambivalent: Während sich das Ruhrgebiet beim Gütertransport auf den Wasserstraßen und der Schiene in der Spitzengruppe befindet, liegt es beim Ausbau der Autobahnen schon nur noch im Mittelfeld: Mit 113 Autobahnmetern pro 1.000 Einwohnern bei einem gut ausgebauten Netzt liegt das Revier zwischen der Randstad (129) und Paris (70). Wenig überraschend das Ergebnis zur Anbindung an den Internationalen Flugverkehr: Die globalen „Hubs“ in Frankfurt und Amsterdam sind weit entfernt und nur mit hohem Zeitaufwand zu erreichen und der Flughafen in Düsseldorf ist im internationalen Maßstab kaum mehr als Mittelmaß.

Desaströs ist hingegen das Ergebnis der Analyse des Öffentlichen Personennahverkehrs: Er kann sich in Punkto Qualität und Dichte dank der Zersplitterung des Nahverkehrs auf Dutzende Nahverkehrsunternehmen, die dann auch noch in der Hand von Kommunalpolitikern liegen, kaum mit den ÖPNV-Systemen von Metropolen messen. Zu sehr geht es den Nahverkehrsplanern offensichtlich um Pöstchensicherung und zu wenig um einen günstigen und effektiven Transport der Menschen im Ruhrgebiet. Der Erfolg der Unfähigkeit: Nur für gut jede zehnte Fahrt wird im Revier der ÖPNV genutzt. In Berlin ist dieser Anteil mehr als doppelt so groß.

Für Hanns-Ludwig Brauser, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr GmbH ist die Frage der Verkehrsentwicklung im Ruhrgebiet von entscheidender Bedeutung für die künftige wirtschaftliche Entwicklung der Region: „Wenn wie in der Frage der Verkehrsentwicklung nicht weiter kommen, steht der Verkehr im zentralen Ruhrgebiet in zehn Jahren.“ Sollte das eintreten, würde nicht nur die Lebensqualität der Menschen im Revier sinken sondern, so Brauser, auch die Vermarktung von Gewerbeflächen schwieriger werden.

Die Probleme der Region liegen auf der Hand: Wie können die Pendlerströme organisiert werden, die zunehmen, weil immer mehr Menschen in den Landkreisen des Reviers leben, aber im Ballungskern arbeiten? Wie kann das Ruhrgebiet von dem Wachstum im Bereich des Güterverkehrs profitieren? Wie kann ein Verkehrssystem etabliert werden, dass dem künftigen Preisanstieg der fossilen Energieträger, vor allem des Öls, gerecht wird? Die Ergebnisse der Studie sollen in den kommenden Monaten mit Vertretern der Wirtschaftsförderungen des Ruhrgebiets, dem Initiativkreis Ruhr und den Nahverkehrsunternehmen diskutiert werden.

Im Kreis Recklinghausen und bei der Vestischen wusste man auf unsere Nachfrage noch nichts von der Studie – zeigt sich aber Anregungen wie einem Metropolbussystem generell aufgeschlossen. Im November soll es eine Konferenz unter Teilnahme von Verkehrsminister Oliver Wittke geben. Brauser setzt auf Druck und Argumente – ob das die Besitzstandswahrer in den Nahverkehrsunternehmen interessiert, darf bezweifelt werden.

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