Dorsten (eib). „Ja bin ich denn schon zu alt dafür, wieder gesund gemacht zu werden?“ Heinz Gerling ist 76 und hatte einen Schlaganfall. Seit Monaten kämpft er um eine Kurmaßnahme – und das macht ihn zusätzlich krank. Schriftlich ist er nicht weiter gekommen, am Telefon wurde er abgewimmelt. „Das ist doch wohl die Spitze: Weil du alt bist, hast du keine Lobby. Es ist zum Verzweifeln.“
Eigentlich geht es ihm und seine Frau Marianne (73) gesundheitlich recht gut. Seit 1965 ist er Mitglied der DAK, ohne diese jemals nennenswert in Anspruch genommen zu haben, wie er betont.
Der doppelte Leidensweg begann am 28. Januar dieses Jahres bei einem Campingurlaub in Spanien. Der gelernte Schreinermeister sackte im Wohnwagen plötzlich zusammen. Und dann ging alles zunächst einmal wunderbar: In der Uniklinik Castellon wurde er bestens versorgt. Noch heute stehen dem Ehepaar die Tränen in den Augen, wie sich die Familie des Bettnachbarn auch um den Deutschen gekümmert hat. Nach zwei Wochen konnte er in seine Heimat zurückgeflogen werden.
„Heute bin ich soweit stabil. Mein Arzt ist zurzeit damit beschäftigt, meine Blutwerte in den Griff zu bekommen.“ Er ist noch wackelig auf den Beinen, seine Frau ist ihm beim täglichen Training behilflich.
Soweit das erfreuliche Ende der plötzlichen Erkrankung. Was ihm jetzt noch fehlt, ist eine Reha-oder Kurmaßnahme. Und für seine Frau auch. Schließlich musste sie das Wohnmobil 1.750 Kilometer zurück in die Heimat fahren, dazu die Klinikbesuche, die ganze Organisation. Sie sei völlig erschöpft gewesen – und habe einen Kurantrag gestellt.
Klar, dass die Krankenkasse weitere Belege anforderte. Der Arzt bescheinigte die Notwendigkeit einer Reha-Maßnahme. Briefe gingen hin und her, ein Aktenordner füllte sich, dazwischen die Zettel mit den verschiedenen Gesprächspartnern. Jedes Mal, wenn er seine Krankenkasse anrief, hatte er einen anderen Ansprechpartner.
Gleich war nur eines: Die Ablehnung. Wenn sein Arzt nicht in der Lage sei, ihn wieder gesund zu machen, dann solle er doch einen anderen nehmen – das sei die Antwort gewesen. Und seine Frau könne doch mal einen Ernährungsberater aufsuchen.
„So kann man mit uns doch nicht umgehen. Nur weil wir alt sind, verweigert man uns die Maßnahmen.“ Heinz Gerling regt sich auf. „Das ist perfekte Altersdiskriminierung.“
Hinter der Ablehnung steckt der Medizinische Dienst, das bestätigt Rolf Gotthardt, stellvertretender Leiter der DAK Recklinghausen. Ein persönliches Begutachten des Antragstellers sei nicht nötig, es reichten die Unterlagen. Und der Medizinische Dienst meinte, eine stationäre Vorsorgemaßnahme könne nur bewilligt werden, wenn die Behandlung am Wohnort nicht ausreicht und ausschließlich eine stationäre Behandlung in Frage komme.
Es sei nicht eine Frage des Alters, so Gotthardt, auch wesentlich ältere Menschen würden eine Reha-Maßnahme bewilligt bekommen. Und eine schriftliche Ablehnung habe die DAK tatsächlich nicht erstellt, schließlich habe man ja mit Heinz und Marianne Gerling einen „Deal“ gemacht: 13 Euro Kostenerstattung pro Tag für einen Kurlaub, natürlich nur für Heinz Gerling.
Der blickt enttäuscht in seine Akten: „Was soll ich machen? Ich bin flügellahm geworden.“ Er wisse nicht, ob sich ein Weiterkämpfen überhaupt lohnt.

