Marl (eib). Es gibt deutlich mehr Informationen zum geplanten China-Center an der Herzlia Allee. Gleichzeitig wird aber auch der Protest noch heftiger: Die CDU schreibt einen mahnenden Brief an die Bürgermeisterin, die Grünen haben acht Fragen, die SPD warnt vor Zeitdruck. Auch die Bürgermeisterin schreibt zwei lange Briefe: An den Sprecher der Bürgerinitiative und an die Bürgerliste „Wir“, um deren Fragen zu beantworten.
Das wichtigste zuerst: Der angedachte Spatenstich am 2. Mai fällt aus. Der Lenkungsausschuss steht gleichwohl hinter dem Projekt. Das sind Ergebnisse der zweiten Ausschuss-Sitzung. Nun soll es einen Masterplan geben, um den ersten Bauabschnitt (längs der Herzlia Allee) und den zweiten Abschnitt (im hinteren Bereich) zu verbinden. Denn sie bilden ja eine Einheit, wenngleich für den zweiten Teil erst noch ein Bebauungsplan aufgestellt werden muss.
Die CDU-Anregung, die Landesregierung mit ins Boot zu nehmen, hat man ebenfalls aufgenommen.
Bemerkenswert detailliert hat die Bürgermeisterin der Bürgerliste geantwortet. Auf der letzten Ratssitzung hatte sie das noch glattweg abgelehnt, in der Zwischenzeit hatte die Bürgerliste eine Dienstaufsichtsbeschwerde erstattet. Jetzt wissen wir unter anderem, dass das Gründungsunternehmen „Global Business Center GmbH“ heißen soll, mit 1 Mio Euro Kapital ausgestattet wird und Dongjun Zhao als Geschäftsführer haben soll, der bereits mehrere wichtige Positionen in China inne hat.
Dass in Marl ein 5-Sterne-Hotel gebaut werden soll, hat bereits die staatliche Zeitung Yun Tian Lou Bao positiv berichtet, der genaue Standort in Marl ist aber noch nicht klar. Ob dieses Projekt „realitätsnah“ ist, hängt von der Dimension des gesamten China-Centers ab.
Im Endstadium sollen hier rund 600 deutsche Arbeitsplätze entstehen. Dazu kommen als Sogwirkung mögliche weitere Ansiedlungen in der Region. Steuern fallen natürlich auch an – schließlich ist es eine deutsche GmbH, die hier tätig wird.
Viele weitere Fragen beantwortet die Bürgermeisterin in ihren beiden Schreiben, ausführlich können die Themen am 23. April um 17 Uhr im Rathaus behandelt werden. Dort will die Verwaltung sich den Bürgern stellen.
Ob der schnelle Antritt, den die Chinesen sich wünschen, tatsächlich umgesetzt werden kann, hängt auch davon ab, ob die Marler große Bedenken haben. Dass die Öffentlichkeitsarbeit noch etwas schleppend läuft, zeigt eine wichtige Zahl: Irrtümlich berichteten mehrere Medien, es handele sich um 20 und 40 ha große Flächen, in Wirklichkeit sind es nur 2 und 4 ha. Eine Korrektur aber gab es nicht.

