Vest (mc). Von jetzt an herrscht Hochsaison beim Finanzamt. Zwischen Februar und Mai rechnen die Behördenleiter Manfred Frericks (Recklinghausen) und Heike Hürland (Marl) mit etwa 4.500 Steuererklärungen pro Woche. Die Vorsteher beider Häuser bitten mit Blick auf die Bearbeitungszeiten die Menschen um Geduld und von telefonischen Rückfragen abzusehen. „In den meisten Fällen können die Sachbearbeiter auch keine Auskünfte geben“, erklärt Hürland. Denn die Steuererklärungen wandern durch einen „Risikofilter“, eine Datenverarbeitungsmaschine, die die Erklärungen auf ihre Plausibilität prüft.
Ist der „Test“ bestanden, können die Steuerbürger auf eine schnelle Rückerstattung hoffen. Anderenfalls landet der Fall auf dem Schreibtisch eines Sachbearbeiters, der unter Umständen Belege anfordert oder auch eine Prüfung ansetzt. „Denn wer die »goldenen Wasserhähne« für seinen Mieter in den eigenen vier Wänden installiert, hat ein Problem“, erläutert Frericks. Schlimmstenfalls droht ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung.
Froh zeigten sich die Behördenleiter über die erstmals zuversichtlich stimmenden Zahlen. Im Personalbereich ist der Einstellungsstopp aufgehoben. Das bedeutet für das Finanzamt Marl, dass drei junge Menschen im Sommer ihre Ausbildung beginnen, acht Azubis werden es in Recklinghausen sein.
Auch das Steueraufkommen für das Jahr 2008 erfreut die Finanzchefs. „Es gibt ein hohes Steueraufkommen im Vest.” Für Marl und Recklinghausen zusammen waren es im Jahr 2008 rund 1,66 Mrd. Euro (1,595 Mrd. Euro in 2007). Diese Steigerung entspricht laut Hürland dem Trend im Ruhrgebiet. Zudem sei die deutliche Steigerung des Lohnsteueraufkommens (ca. 726 Mio. Euro) ein Maßstab für die gute Beschäftigungsquote im vergangenen Jahr.
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist hingegen bundesweit erstmals seit 2003 gestiegen, im Jahresverlauf um 2,2 Prozent „Auch für die Finanzämter Marl und Recklinghausen gilt dieser Trend”, erläutert Manfred Frericks.
Ein wichtiges Instrument für beide Ämter waren im Jahr 2008 die Außenprüfungen. „In etwa 1.900 Fällen verzeichneten wir ein Mehrergebnis in Höhe von rund 35 Millionen Euro – Steuern die sonst nicht dem Gemeinwesen zugekommen wären.”
Arbeitnehmer können sich in den nächsten Tagen auf ihre Post freuen. Die Bescheide über die Nachzahlung der Pendlerpauschalen werden in den nächsten Tagen verschickt. „Diese Berechnung ist abgeschlossen, die für den gewerblichen Bereich hat jetzt begonnen.” Bis Anfang April sollen auch sie abgearbeitet sein.
Für die Zukunft wünschen sich Hürland und Frericks, dass das finanzamtseigene Steuerprogramm „Elster“ noch mehr genutzt wird. „Zur Zeit geht jede vierte bis fünfte Erklärung via Elster ein. Das könnte noch gesteigert werden“, so Hürland.

