Holprig ist es nicht nur hier auf der Victoriastraße. FOTO: Mengedoht
Marl (eib). Erst schüttelt es die Autofahrer, dann schüttelt es die Politiker: Die Marler Straßen sind in einem üblen Zustand, die Klagen häufen sich, ein Notfallprogramm ist aufgestellt. Aber es hilft nichts: Es ist zu wenig Geld für Reparaturen da. Mittlerweile hat ein Computerprogramm den Straßenzustand erfasst. Allein für die schlechten und sehr schlechten Straßen müsste Marl 64 Millionen Euro aufwenden.
Die überraschenden Erkenntnisse werden zunächst einmal für das Neue Kommunale Finanzmanagement NKF gebraucht, auf dem der Haushalt der Stadt ab 2009 basiert. Alle Straßen, Wege, Plätze und Ingenieurbauwerke sind nun erfasst, bewertet und können nun ein Unterhaltungsprogramm eingereiht werden.
Immerhin hat Marl 400 km Straße und weitere 130 km Wirtschaftswege. Sie wurden untersucht nach Spurrillen und Unebenheiten, Risse und Flickstellen, aufgeteilt in acht Stufen. Ab Stufe 6 ist die Straße schlecht und das trifft für 44 Prozent der Hauptverkehrsstraßen zu (gesamt 0,52 qkm), für 48 Prozent der Hauptsammelstraße (0,37 qkm) und 38 Prozent der Anliegerstraße (0,97 qkm).
Das Aufarbeiten der schlechten Strecken kostet 64 Millionen Euro. Wenn man die Anliegerstraße abzieht, dann bleiben immer noch 37 Millionen. Kurzfristig, so hatte die Verwaltung vor dreieinhalb Jahren überschlagen, müssen 11 Millionen aufgewendet werden, in einem zweiten Zeitraum (drei bis acht Jahre) weiter acht Millionen.
Die Realität aber sah anders aus. So standen in der Vergangenheit für kleinere Arbeiten 250.000 Euro jährlich zur Verfügung, für Erneuerungen noch einmal 600.000 Euro außerdem gab es noch Landeszuschüsse. In den letzten zehn Jahren machte das zusammen 11,4 Millionen Euro aus. Wegen mangelnder Finanzen war in den letzten 25 Jahren keine vorausschauende Unterhaltung möglich gewesen, bedauert die Verwaltung. Das Ergebnis: Anhaltender Vermögensverlust und holprige Straßen.
Die 20 wichtigsten Maßnahmen kosten rund 20 Millionen Euro. Was in welcher Reihenfolge abgearbeitet werden soll, das muss nun die Politik entscheiden. Und die wünscht dafür als erstes einen Entscheidungsmaßstab.
Eine verwaltungsinterne Reihenfolge gibt es schon: Angefangen bei der Berg-/Victoriastraße (Beginn 2010) bis zur Hülsbergstraße (Beginn 2015).

