
FOTO: Kübber
Haltern (rk/eib). Viele Besucher verbinden mit der Gaststätte „Drügen Pütt“ nur Currywurst und Pommes. Dass mit der urigen Kneipe auch eine Zeitschriften-Sammlung über rund 80 Jahre verbunden ist, das wissen nur wenige. Nicht einfach nur „gesammelt“, sondern auch fachmännisch gelagert in speziellen Kästen.
Peter Tuschmann, heute Inhaber der Gaststätte, kümmert sich seit Jahren um die Sammlung. Denn sie ist eigentlich ein Teil der Familiengeschichte, die mit seinem Großvater begann, einem „Langen Kerl“. Der hieß damals August Alte-Ruthemeyer und diente in der Kaiserlichen Garde. Seine Maße: 2,05 m groß, Schuhgröße 52. Der heiratete Paula Ströhmann aus Nordwalde, zog als Handlungsreisender übers Land, kam dabei auch in den Drügen Pütt und ersteigerte ihn.
Die Gaststätte lag vor 100 Jahren an einer sehr wichtigen Route für den Personen-und Warenverkehr, die von Trier bis nach Bremen führte und alle wichtigen Städte durchquerte, auch die des Ruhrgebietes. Heute liegt sie „nur“ noch an einer Landstraße.
1929 aber tauchte der Namen „Drügen Pütt“ erstmals in der Münchener Illustrierten Presse auf – Anlass für den cleveren August, den Namen zu ergänzen: „Drügen Pütt -weltbekannt“. Von da an sammelte er Veröffentlichungen, insbesondere über seine Gaststätte. Im Juli 1959 starb er im Alter von 81 Jahren.
Stolz ist Peter Tuschmann heute auf die erste Veröffentlichung. Die Münchener Illustrierte Presse vom 30. Januar 1929 kostete 20 Pfennig. Sie lag, ebenso wie die „Berliner Illustrirte Zeitung (ohne „e“) von 1934 in einer alten Kommode auf dem Dachboden. Fünf, sechs der alten Exemplare gab es noch, sie erhielt die Stadtbücherei, die im Gegenzug die restlichen Illustrierten binden ließ.
Doch der Zahn der Zeit nagte weiter an den alten Stücken. Inzwischen hat Peter Tuschmann vom Landesmuseum Münster Tipps bekommen: „Die empfahlen mir weichmacherfreie Kisten und gaben mir den Tipp, sie nicht bei Tageslicht und auch trocken zu lagern.“ Die geeigneten Kisten stellte eine Spezialfirma in Niedersachen her.
In der urigen Kneipe ist aber nicht nur historisches Schriftgut zu finden. An den Wänden gibt es eine Reihe historischer Wandverzierungen, zumeist Sprüche von August Alte-Ruthemeyer. Die Mehrzeiler haben teilweise einen konkreten Hintergrund und beziehen sich auf lustige Begebenheiten. Und die Ironie ist unverkennbar.
Heute ist der Drüge Pütt „ein Imbiss in historischen Räumen, in denen sich überwiegend Motoradfans treffen“, sagt Peter Tuschmann. Und hier gibt es nicht nur die vermutete Currywurst mit Pommes sondern auch gutbürgerliche Hausmannskost.
Und der selbstgebackene Kuchen findet sogar Freunde bis ins Ruhrgebiet: Ein 75-jähriger Bochumer ist deshalb täglicher Stammkunde.

