Marl (eib). Minutenlang schlugen Jens Flachmeier und Lothar Bartelheimer aufeinander ein. Doch keiner griff ein. Unglaublich: Am Ende gab es sogar Beifall. Denn es war eine Demonstration im Ausschuss Kinder/Jugend/Familie. Es war Teil des Themas „Gewalt in Marl“.
Was den Wir-Politiker und den Mitarbeiter der Evangelischen Jugend außer Atem brachte, ist ein Trainingsprogramm (Toben, Kämpfen, Raufen), mit dem Aggressionen abgebaut werden. Es ist nur ein Punkt eines großen Maßnahmenpaketes, mit dem die Stadt Marl das Thema Gewalt angeht.
Vorausgegangen ist eine Analyse über Alter der Täter und soziale Herkunft, Verteilung im Stadtgebiet und ethnische Zusammensetzung. So manche Zahlen passen nicht in die gefühlten Eindrücke, zum Beispiel dass Ausländer überproportional vertreten sind. Auch dass die Zahl der Gewalttaten zugenommen hat, können die Daten nicht belegen. Aber die Schlägereien sind gewalttätiger geworden: Nicht mehr das „Besiegen“ des Gegners ist das Ziel, sondern das hilflose Opfer wird weiter zusammengetreten.
Was das Jugendamt sonst noch herausfand: In immer mehr Familien spielt Gewalt eine Rolle, schlechtere soziale Rahmenbedingungen begünstigen Gewalt, immer häufiger sind Eltern mit der Erziehung überfordert.
Fazit: Man muss an vielen Stellen anfangen, die Voraussetzungen zu verändern. Die Schulen tuen sich da noch sehr schwer und erklärten bislang fast einhellig, bei ihnen gebe es keine Gewalt. Jetzt wird das bisweilen zugegeben. Aber es gibt immer noch Schulleitungen, die das Problem kleinreden, bedauert die Stadtverwaltung.

