Vest. Einen Wermutstropfen hält Dr. Michael Schulte, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Vest Recklinghausen für potentielle Immobilienkäufer bereit. Die Finanzaufsicht Bafin verlangt ab Februar 2023 von Banken und Sparkassen mehr Eigenkapital für Kredite und für private Baufinanzierungen. „Dadurch werden sich Kredite verteuern. Wie das mit dem Ziel der Bundesregierung zusammenpasst, neuen Wohnraum zu schaffen, das müssen wir abwarten. Die neuen Anforderungen kommen jedenfalls zur Unzeit – gerade für unsere Kundinnen und Kunden, die sich schon heute mit einer Verknappung des Immobilienangebots und einer Verteuerung der vorhandenen Immobilien konfrontiert sehen“, so Michael Schulte bei der Vorstellung des aktuellen Geschäftsberichtes.
Darin heißt es unter anderem, dass das Kreditgeschäft wieder ein starkes Wachstum verzeichnete und die Einlagen trotz niedrigster Zinsen weiter zulegten. Damit setzte sich der Trend aus dem „ersten Corona-Jahr“ 2020 auch in 2021 weiter fort. Verbraucher mochten oder konnten in Pandemiezeiten ihr Geld nicht für Konsum ausgeben und legten es an. Im Neugeschäft sagte die Sparkasse erstmals über eine Mrd. EUR an neuen Krediten zu.
Die Kreditzusagen an Unternehmen und Selbstständige stiegen im Vergleich zu 2020 (rund 402 Mio. EUR) um 64,3 % auf erstmals über 660 Mio. EUR. Die Kreditbestände von Firmenkunden wuchsen 2021 von 2,63 Mrd. EUR um 9,0 % auf 2,86 Mrd. EUR. Die grundsätzlich optimistische Stimmung in der Wirtschaft zeigen auch die 38 begleiteten Existenzgründungen, ein Anstieg um 8,9 % im Vergleich zum Vorjahr.
Im Privatkundengeschäft stiegen die Kreditbestände auf 2,14 Mrd. EUR (+ 3,1 %). Die Darlehenszusagen in der privaten Baufinanzierung legten nochmals um 6,5 % auf 300 Mio. EUR zu. Die Kreditzusagen zur Finanzierung des Wohnungsbaus insgesamt stiegen sogar um 12,8 % auf erstmals über 500 Mio. EUR (511 Mio. EUR).
Eine Alternative zum Kontensparen
Auch die Einführung von Verwahrentgelten zum 1. September 2021 stoppte den Trend im Einlagengeschäft nicht. „Wir nehmen Einlagen bis zu 60.000 EUR für Ledige und 120.000 EUR für Verheiratete oder Lebenspartner weiterhin ohne Verwahrentgelt entgegen“, führt Dr. Schulte aus. „Dieser Freibetrag genügt für mehr als 95 % der Kundschaft.“
Wertpapieranlagen waren 2021 eine gefragte Alternative zum Kontensparen. So stiegen die Wertpapierkäufe um 9,8 % auf 427 Mio. EUR. Die Spannweite reicht vom regelmäßigen Sparen schon kleinster Beträge bis zur aktiven Vermögensverwaltung im Private Banking. Denn Wertpapiere sind als Anlageform längst für alle Einkommensgruppen interessant. Über 120 Mio. EUR (+ 19,5 %) wurden netto in Wertpapieranlagen gespart. Ursache für die Steigerung ist jedoch nicht primär das Vermeiden von Verwahrentgelt, vielmehr liegt auf den Konten das Ersparte in der heutigen Zeit regelmäßig unverzinslich. Dies bedeutet bei der aktuell hohen Inflationsrate für die Anlegerinnen und Anleger einen realen Vermögensverlust.
In der Immobilienvermittlung festigte die Sparkasse Vest Recklinghausennach nach eigenen Angaben „ihre Rolle als Makler Nummer 1 im Vest“. So wurden 2021 Immobilien in einem Gesamtwert von 68,3 Mio. EUR (+ 27,2 %) erfolgreich vermittelt. Weiterhin sei es enorm schwierig, überhaupt eine Immobilie zu finden. So bietet das Sparkassen-Bieterportal den Kaufinteressenten eine transparente Möglichkeit, aktiv über den Preis der Immobilie den Zuschlag zu erhalten.
Neben den beispielhaften Zahlen aus verschiedenen Geschäftsfeldern untermauert auch der starke Anstieg der Bilanzsumme auf erstmals über 7,6 Mrd. EUR (+ 9,0 %) das erfolgreiche Geschäftsjahr der Sparkasse.
Es drohen weitere Schließungen von Standorten
Christian Zumschilde, stellvertretendes Vorstandsmitglied, freut sich darüber hinaus über die Auszeichnung der Sparkassen-App durch die Stiftung Warentest. Die beste Banking-App wird auch in der Sparkasse Vest immer häufiger eingesetzt. Rund 80.000 Kundinnen und Kunden erledigen ihre Bankgeschäfte mittlerweile damit. „Das entspricht einer Steigerung von 21 % im Vergleich zum Vorjahr.“
Kunden, die für das Online-Banking derzeit noch auf smsTAN als Sicherungsmedium setzen, müssen 2022 umstellen. „Bis Mitte des Jahres wird smsTAN abgeschaltet – nicht nur in unserer Sparkasse“, erklärt Christian Zumschilde. „Wir empfehlen daher, möglichst auf das sichere pushTAN-Verfahren umzustellen. Für dieses Sicherungsmedium fallen keinerlei zusätzliche Kosten an. Alles was dazu benötigt wird, ist ein Smartphone.“
Im Betrieb hatte die Sparkasse zusätzlich zu den Herausforderungen der Corona-Pandemie im Jahr 2021 mit einer steigenden Anzahl von Geldautomaten-Sprengungen zu kämpfen. 150 Sprengungen und Sprengversuche trafen 2021 die Geldinstitute in NRW. Alleine drei davon die Sparkasse Vest. „Die Taten verurteilen wir aufs Schärfste“, kommentiert Dr. Michael Schulte, „Gerade auf der Sachsenstraße in Recklinghausen-Suderwich hätten durch die rücksichtslose Aktion Menschenleben in Gefahr geraten können. Daher prüfen wir derzeit sämtliche Stellen und nehmen unter Berücksichtigung des neuen Täterverhaltens eine aktuelle Risikoeinschätzung vor. Das kann leider auch bedeuten, dass wir Standorte schließen müssen.“

