
Bild: Edles Vorbild: Der heilige Martin und der Bettler (Bild von El Greco)
Vest. In diesen Tagen ziehen sie wieder durch die Städte: Kinder mit leuchtenden Laternen, Lieder singend. Vorneweg ein stattlicher Reiter in einem roten Umhang auf einem Schimmel. Am Ende gibt es manchmal ein Martinsfeuer, auf jeden Fall aber einen Stutenkerl. Eine traditionsreiche Veranstaltung, die noch nie in die Kritik geraten ist.
Schluss damit, fordern plötzlich die Linken in NRW. Viele Kindergärten hätten muslimische Kinder und auf die müsse Rücksicht genommen werden. Ihnen könne man die christliche Tradition nicht auf aufdrängen.
Dabei ist der Gedanke, der in der Tradition steckt, allseits empfehlenswert: Den Mantel teilen und den Armen helfen, das ist die überkonfessionelle Botschaft. Einverstanden, sagen die Linken. Aber bitte dann auch als überkonfessionelles Fest, das deshalb als erste einen neuen Namen braucht: „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“. Da fühlen sich dann alle Kinder angesprochen.
„Dazu braucht man keinen St. Martin, der dem Lichterzug auf dem Pferd voranreitet“, sagt der Chef der NRW-Linkspartei, Rüdiger Sagel.
Wütende Anrufe
Und tatsächlich gibt es Kindergärten, denen der Wandel gar nicht schnell genug gehen kann. Ein städtischer Kindergarten im hessischen Bad Homburg hat das Fest bereits umbenannt. Und hat jetzt die Probleme: Mitarbeiter wurden bedroht, die Gemeinde stellte deshalb Strafanzeige.
Aber auch bei den Initiatoren gibt es Ärger. In der Parteizentrale in Bochum gab es wütende Anrufe und die Partei beeilte sich zu betonen, man wolle das Fest nicht abschaffen. Der Vorstoß habe lediglich das Ziel einer „political correctness“: Das Religiöse soll aus den städtischen Kitas verbannt werden.
Das ging aber kräftig daneben. Das Erzbistum Köln lehnte den Vorschlag ebenso ab wie der Zentralrat der Muslime in Deutschland.
Und so wird es zum Martins-Tag, dem 11. November, wieder die Umzüge geben: Mit selbstgebastelten Laternen, dem Stutenkerl aus Hefeteig mit Rosinen und der Vorführung, wie der römische Soldat seinen Mantel teilt und ihn an einen Bettler verschenkt
Und natürlich gibt es auch noch das Martinsgansessen und die Diskussion darüber, was eigentlich der historische Hintergrund der Geschichte ist und welche Rolle die Gänse gespielt haben.

