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„Hausbesetzer“ lassen ihr Festival wieder aufleben

Marl. Das erste Festival ist 30 Jahre her und seitdem scheint die Zeit stehen geblieben zu sein: Der Bauernhof am Notweg 102 sieht noch so aus wie damals, die Bewohner führen ein Leben in einem Haus von Aussteiger-Charme. Und sie hängen noch gerne mit ihren Gedanken an den Anfängen der Bauernhof-Festivals. An diesem Wochenende laden Nico Thieme (54, seit 26 Jahren dabei) und Ludger Preußner (48) zur Geburtstagsparty auf den Hof ein.

Das alte Haus sollte eigentlich vor 30 Jahren abgerissen werden, um für den Bau der Lipperandstraße Platz zu machen. Da kam es zur ersten Marler Hausbesetzung, unterstützt von den Marler Grünen. Und mit viel Sympathie bei der SPD: Bürgermeister Günter Eckerland setzte sich persönlich dafür ein, dass das Haus stehen bleiben durfte, die Hausbesetzer bekamen einen Nutzungsvertrag mit dem Straßenneubauamt – seitdem läuft alles in geordneten Bahnen.

Die Bewohner liebten ihre unkonventionelle Lebensweise und die Musik, 14 Jahre lang (bis 1994) gab es regelmäßig Festivals. Beim zehnten war der Rahmen mit 7500 Besuchern gesprengt. Sie kamen sogar aus Italien, blieben mehrere Tage. Der Getränkeverkauf sollte alles finanzieren, doch am Ende blieb ein Defizit. Die Veranstaltungen wurden mal begeistert gefeiert, mal als Katastrophe niedergemacht – je nach Blickwinkel.

Punkrock mit friedlichem Charakter war das Ziel. Die Polizei hatte keine Einsätze. „Und das Rote Kreuz hat sich gelangweilt“, erinnert sich Nico Thieme. Über dem Festival flatterte die Totenkopf-Flagge, auf dem großzügigen Wiesengelände wurde campiert. Veranstalter war der „Bäckerei e.V.“, ein Verein, der eigens für das Bauernhof-Festival als Träger gegründet worden war.

„Fete ohne Knete“ hieß es später. Der Hof hatte Mühe, ohne Verlust aus den Veranstaltungen zu kommen. Mitte der 90er Jahre brachen die Treffen weg. Die traditionell guten Verbindungen zur Verwaltung (samt finanzieller Unterstützung) lösten sich auf. Am Ende blieben Veranstaltungen in einem privaten Rahmen.

Letztes Jahr ein neuer Startversuch: „Save the Farm“ hieß es. Ziel war eine kulturelle Nutzung des Bauernhofes. An diesem Wochenende gibt es eine neue Runde Bauernhof-Festival. Die Musikrichtung liegt auf Folk Rock und Songwriter – nicht auf Punk, betont Ludger Preußner.

„Mit Freunden, Weggefährten, befreundeten Bands und Künstlern, wollen wir zusammen einen netten Abend verbringen, in Erinnerungen schwelgen und die Zukunft begrüßen; laden Preußner und Thieme ein.

Für musikalische Untermalung sorgen: Wilm & Sid (Singer, Songwriter), Eddy Edwards (Singer, Songwriter), PW Krise (RuhrFolk), Mani Terzok & Stuki (Singer, Songwriter), Blumengroup (Flowerpower Sound), Matthes Fechner & Ocean Spray (Roots, Music & Folk Rock) und Bernd Witthüser (der sein neues Album „Kasablanka“ präsentiert)

Der Eintritt zur Geburtstagsparty (heute ab 17 Uhr) ist frei. Für Essen und Trinken ist gesorgt!

Die (acht bis neun) Bewohner des Hofes hoffen weiterhin, dass keine Entscheidung über die Lipperandstraße fällt. Denn so lange können sie dort wohnen. Sollten die Pläne endgültig vom Tisch sein, dann müssen die Bewohner damit rechnen, dass Haus und Hof verkauft werden – und dann verlieren sie ihre Heimat.

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