Marl. Die Schwierigkeiten um die Wieder-Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes in Sinsen nehmen kein Ende. Nur wenige Tage vor der Eröffnung steht wieder Ärger an: Die Stadt hält sich nicht an die Vereinbarung mit dem Hausbesitzer, weil angeblich kein Geld dafür da ist. In Wirklichkeit ist die Lage anders: Die Verwaltung hat niemals den vom Rat beschlossenen Straßenausbau ernsthaft angepackt und Geld dafür bereitgestellt.
Dass es Schwierigkeiten gibt, ahnte die CDU bereits im Stadtentwicklungsausschuss in dieser Woche. Bislang hatte sich nur der Hausbesitzer an das gehalten, was als Ergebnis jahrelanger Diskussionen herausgekommen war.
Nachdem der letzte Lebensmittelmarkt den Marktplatz in Sinsen verlassen hatte, ging es um die Öffnung des Platzes zum Parken. Nur so könnte ein neuer Marktbetreiber gefunden werden. Erst war die Politik dagegen, dann war sie bereit, eine Verkehrsberuhigung für die Straße „Flaeslänne“ zuzulassen (die wird von vielen Kindern der Grundschule genutzt). Die Kosten wollte der Hausbesitzer aber nicht übernehmen. Am Ende war die Stadt bereit, den Umbau auf ihre Kosten zu machen.
Der Lebensmittelmarkt will am 23. März eröffnen, die Straße ist aber nicht gemacht.
Davon wisse der Hausbesitzer schon lange, erläuterte Baudezernent Wolfgang Seckler dem Ausschuss. Er habe Verständnis dafür, dass die Straße in den nächsten Monaten erst einmal als Zufahrt für Baufahrzeuge gebraucht wird. Denn in unmittelbarer Schulnähe wird eine neue Turnhalle gebaut.
Auch anschließend sei kaum mit einem Umbau zu rechnen, so Seckler. Der koste 70.000 bis 80.000 Euro und das Geld habe die Stadt nicht. Besorgt fragte der Ausschuss nach, ob damit der Hausbesitzer einverstanden sei. Das solle doch bitte schriftlich festgehalten werden.
Der Hausbesitzer sei einverstanden, so Seckler. Der Marktbetreiber aber ist überhaupt nicht einverstanden, so Architekt Arnold Strohmeier auf Nachfrage des Sonntagsblattes. „Netto“ fühlt sich hintergangen, der Hausbesitzer hatte auf der Grundlage des Ratsbeschlusses das Gebäude umgebaut.
Was der Baudezernent nicht sagte: Weder 2009 noch 2010 sind Mittel für den Straßenumbau im städtischen Haushalt beantragt worden – kein Wunder also, dass kein Geld da ist.
Stattdessen droht jetzt ein Streit mit dem Hausbesitzer.
AKTUALISIERUNG: Wie die Stadt Marl nach Redaktionsschluss mitteilte, wird sie die Straße „In de Flaslänne“ für den neuen Lebensmittelmarkt vorübergehend öffnen. Dies gilt zunächst für drei Wochen. Am Montag (22.3.) werden dafür die Sperrpfosten an der Nord- und Südseite des Marktplatzes entfernt.
Nach dem 9. April wird eine durchgängige Befahrbarkeit der Straße nicht mehr möglich sein. Aus Sicht der Stadtverwaltung und aus Gründen der Verkehrssicherheit ist eine durchgängige Befahrung erst sinnvoll, wenn die Straße in einen verkehrsberuhigten Bereich (Wohn- und Spielstraße, Verkehrszeichen 325) umgewandelt wurde.

