Ostvest (eib). In kürzester Zeit haben sich 61 Waltroper für einen Eintritt in die örtliche CDU entschieden. Doch nicht etwa aus schierer Begeisterung über deren Politik, sondern genau im Gegenteil: Sie wollen massiv Einfluss nehmen. Und da geht es in erster Linie um zwei potenzielle Ratskandidaten. Hintergrund: Die CDU soll davon abgebracht werden, weiterhin für das Projekt NewPark zu werben.
Der Waltroper Rat hat sich nämlich mehrheitlich dagegen entschieden (die CDU war dafür). Und so geht die Entwicklung der landwirtschaftlichen Fläche zwischen Datteln und Waltrop ohne die östliche Kreisstadt weiter. Der Kreis macht sich stark, Landesgelder stehen in Aussicht, die Pläne werden konkreter.
Und damit wächst auch der Druck auf Waltrop: Kann sich die Gemeinde auf Dauer dem Konzept widersetzen? Insbesondere Landwirte haben sich schon seit geraumer Zeit beschwert, die CDU kämpfe nicht genug für ihre Belange – und hatten dabei nicht zuletzt den CDU-Landtagsabgeordneten Josef Hovenjürgen im Visier. Der ist zwar (eigentlich) Halterner Landwirt, doch im Fall NewPark steht er für die Ausweisung neuer Flächen für Industrieansiedlungen.
Der bislang verhaltene Protest der Bauern ist plötzlich in politische Aktion umgekippt: Die knapp über 300 Mitglieder starke Waltroper CDU wurde in drei Wochen mit bislang 61 Aufnahmeanträgen überschwemmt.
Schnell ließen sich Strukturen erkennen. Von den drei „Organisatoren“ der Beitrittswelle wollen zwei in den nächsten Stadtrat. Doch die Stadtverbandsspitze (Vorsitzender Christian Hoppe) hat die beiden nicht auf dem Plan. Die Beitritte sollen dafür sorgen, dass die Machtstrukturen in der Waltroper CDU entsprechend „angepasst“ werden.
Dass das wirklich so kommt, scheint eher unwahrscheinlich. Die Parteistatuten sichern den Stadtverband gegen plötzliche Proteste ab. So muss über die Aufnahme-Anträge die Kreis-CDU entscheiden, deren nächste Sitzung Anfang Februar terminiert ist. Wenn vorher aber schon die Kandidaten-Aufstellung für den Stadtrat ist, dann könnte diese „Revolution“ ins Leere laufen.
Der Kreisvorsitzende Josef Hovenjürgen will mit den Wortführern Gespräche führen, doch ein Umdenken in Sachen NewPark sei nicht zu erwarten, erklärte er dem Sonntagsblatt.
Hoffnungen, durch diese Aktion würde die Waltroper CDU geschwächt, machten sich auch andere. Bürgermeisterin Anne Heck-Guthe sehe die Beitrittswelle in der CDU mit großer Zufriedenheit, heißt es in politischen Kreisen. Das führe zu instabilen Situationen. Der Kreisvorsitzende sieht das anders: „Wir werden einen solchen Affentanz nicht mitmachen.“

