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Römische Goldmünzen bei der Kartoffelernte

Dorsten (eib). Vor tausend Jahren ließen sich hier die Römer nieder, vor hundert Jahren die Bergleute: Hosterhausen war schon immer ein wichtiger Ort. Auf 160 000 qm haben die Archäologen den Dorstener Stadtteil sieben Jahre lang durchsucht und durchgraben. Fazit: Ein großes Lager, aber kein befestigtes Zentrum. Ein neuer Führer des Landschaftsverbandes gibt einen Überblick.

250 Münzen wurden gefunden und Reste von 300 Feldbacköfen, Brunnen und Werkzeug, 1000 Schuhnägel eine Maurerkelle. Das alles holten die Archäologen aus der Südwest-Ecke Holsterhausens, nördlich der Lippe, nahe dem Kreskenhofes.

Hier hatte man schon 1927 bei der Sandgewinnung Urnengräber entdeckt, sieben Jahre später brachte die Kartoffelernte Goldmünzen zutage. 1952/53 wurden 54 ha mitten in Holsterhausen durchforstet mit Hinweisen auf ein kurzfristig genutztes Marschlager mit Platz für zwei Legionen. Auslöser war ein 2000 Jahre alter Ölbehälter, der zunächst für eine Sprengbombe gehalten wurde.

Beim Bau des Jugendheimes Kreskenhof fand man 1964 römische Amphorenscherben, die zunächst keine Beachtung fanden, aber bei Neubauvorhaben ab 1998 doch Grund genug waren, einmal genauer hinzusehen. Gefunden wurden umfangreiche Siedlungsspuren von der Mittelsteinzeit bis ins 9. Jahrhundert nach Christus.

Darunter auch fünf Lager, die sich überschnitten, nur mit einem kleinen Wall und kleinem Graben umgeben – „offenbar fehlte eine ernst zu nehmende militärische Bedrohung“, meint Prof. Wolfgang Ebel-Zepezauer in seiner Zusammenfassung „Römerlager in Westfalen“. Dafür gab es aber eine mindestens 20 Meter breite lagerstraße, Annäherungshindernisse aus angespitzen Holzpfählen und eisener Fußangeln.

Welche Truppenteile in Holsterhausen Station machten, das konnten die Forscher nicht ermitteln. Schleudergeschosse weisen auf Hilfstruppen hin, Beschläge von Körperpanzern auf Legionäre. Das gefundene Geld war meist geringwertig (im Vergleich zum Sold) und wurde wohl verloren. Die wenigen Keramikfunde lasen darauf schließen, dass Holsterhausen nur ein Provisorium unter kriegsmäßigen Bedingungen war. Nur einige Tage bis wenige Wochen campierten hier Truppen. Der Platz war also militärisch bedeutend, doch eine dauerhafte Einrichtung war wohl nicht geplant. Haltern lag nur 18 Kilometer entfernt.

Genutzt wurde das Lager vermutlich im ersten nachchristlichen Jahrzehnt, als Haltern das Hauptlager war. Die Archäologen vermuten, dass die Germanen den Platz erst nach der Mitte des ersten Jahrhunderts besiedelten. „Von den römischen Lagern drüfte zu dieser Zeit kaum noch etwas im Gelände zu erkennen gewesen sein.“

Die Ausgrabungen sind seit zwei Jahren abgeschlossen, neue Untersuchungen sind nicht geplant. Und erst nötig, wenn hier weiter gebaut würde. Doch davon ist überhaupt keine Rede.

Wolfgang Ebel-Zepezauer: Holsterhausen, Heft 2 der Reihe “Römerlager in Westfalen“, 28 Seiten, Bezug: Altertumskommission für Westfalen, An den Speichern 7, 48157 Münster, E-Mail: altertumskommission@lwl.org (2 ¤ zzgl. Porto und Verpackung)

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