Vest (eib). Die Ärztin und ihr Patient: Beide Seiten sind empört über die Darstellung, warum es nicht zur Behandlung eines Augenproblemes in einer Marler Praxis kam (siehe Sonntagsblatt vom letzten Wochenende). Beide Seiten beharren darauf: Was die andere Seite sagt, ist falsch. Günter Kluge will am Telefon trotz eines akuten Problems an seinem einzigen Auge auf einen Termin in vier Wochen verwiesen worden sein. Seine Augenärztin Dr. med. Ilwa Henschel will gar keine Gelegenheit gehabt haben, die Dringlichkeit zu beurteilen, weil der Patient vorher schon die Praxis verlassen habe.
„Grundsätzlich wird kein Patient mit akuten Beschwerden in meiner Praxis abgewiesen“, schreibt Dr. Henschel. „Die tägliche Arbeit bringt es jedoch mit sich, dass gelegentlich Patienten mit akuten medizinischen Notfällen vorgezogen werden müssen. Dies führt unweigerlich dazu, dass auch Patienten mit festen Terminen oder akuten Beschwerden entsprechende Wartezeiten in Kauf nehmen müssen.“
Im Fall von Günther Kluge habe sie keine Chance gehabt, das zu beurteilen, weil er die Praxis „wütend und schimpfend“ vorher wieder verlassen habe. Er habe sich zunächst in die Reihe der wartenden Patienten eingereiht, „schon nach kurzer Zeit rief er von hinten aus der Schlange, man könne ihn streichen“.
„Wie kann die Augenärztin so etwas behaupten?“ regt sich Günther Kluge auf. Er sei überhaupt nicht in der Praxis gewesen, er habe lediglich am Telefon um einen Termin gebeten und sein Problem geschildert. Erst als man ihm einen Termin in vier Wochen gab, habe er diesen empört abgelehnt. Die Darstellung der Augenärztin sei falsch. Er werde einen Anwalt einschalten, damit diese Behauptung zurückgenommen werde, kündigt Kluge an.
Die Reaktionen auf die Sonntagsblatt-Berichterstattung reichen von Lob bis Klage. Ein Patient beschwert sich, dass er mit einer akuten Augenverletzung noch zwei Stunden warten musste und zahlreiche später erschienenen Patienten erst einmal mit Augentropfen versorgt worden seien. Die Erklärung des Personals: „Andere warten ein Vierteljahr.“
Eine andere Patientin konnte nur Gutes berichten: Sie sei mit ihrem Problem unverzüglich behandelt worden. Für (vor-)drängelnde und schimpfende Patienten zeigte sie kein Verständnis. Für einen Notfall müsse man eben auch etwas mehr Wartezeit in Kauf nehmen.

