Haltern (eib). In Marl sieht man die Sicherung von Arbeitsplätzen, in Haltern die Zerstörung von Lebensqualität: Das geplante Kraftwerk am nördlichen Rand des Chemieparks lässt die Wogen in Haltern hoch schlagen.
Seit Jahrzehnten hat Lippramsdorf unter Bergsenkungen zu leiden und es wird noch lange so weiter gehen und noch tiefer werden. Jetzt sorgen sich die Bürger, weitere Nachteile hinnehmen zu müssen. In dem „Tal“ das sich in der Mersch gebildet hat, stöhnen die Menschen bereits über zunehmende Lärmbelästigung aus dem Chemiepark. Jetzt soll ein weiteres Kraftwerk gleich neben dem alten (nahe der Oelder Brücke) gebaut werden. Mit einem 150 Meter hohen Kesselhaus, 185 Meter hohen Kühltürmen und einem 220 Meter hohen Schornstein – weit höher als der Kölner Dom.
Die befürchteten Folgen: ein kilometerlanger Schattenwurf, mehr Lärm, Wolkenbildung aus dem Dampf der Kühltürme. Am Ende stehe ein Wertverlust der eigenen Häuser.
Aber auch die Natur müsse leiden, schließlich werde das Kraftwerk unmittelbar am Naturschutzgebiet Lippeauen gebaut. Zur Sicherheit des industriellen Schwergewichtes müssten wohl die Deiche der Lippe verstärkt werden, sorgen sich die Anlieger und argumentieren mit ihren eigenen Erfahrungen: Der Chemiepark lasse zahlreiche Bohrungen zur Kartografierung des Grundwasserflusses in Lippramsdorf durchführen und bezahle den Merscher Siedlern das Gartenwasser, weil es wegen Altlasten eine Grundwasserbelastung gebe.
Der Marler CDU-Vorsitzende Hubert Schulte-Kemper hat nun auf die Sorgen reagiert: Natürlich werde es eine Baugenehmigung nur geben, wenn die Standsicherheit garantiert sei. Die Halterner dürften aber nicht den Eindruck erwecken, sie hätten unter dem Chemiepark nur gelitten. Viele Halterner würden im Chemiepark ihren Arbeitspatz finden und damit das Geld verdienen, um davon „in einer schönen liebenswerten Stadt“ leben zu können.
Der Chemiestandort könne aber nicht ohne das Kohlekraftwerk existieren. Schulte-Kemper: „Dass die Nachbarschaft zur Schachtanlage Auguste Viktoria von uns auch unter dem Aspekt gesehen wird, dass der Kohlebergbau über 2018 hinaus von Wichtigkeit ist, wird niemanden verwundern.“
Die Halterner haben einen anderen Vorschlag: Man könne das Kraftwerk doch ganz im Westen des Werkes ansiedeln. Da, wo mit viel Aufwand die Schlenke-Siedlung freigemacht wird aber noch keine neue Fabrik in Sicht sei.

