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Bürgermeister zieht Bilanz: „Ein Jahr voller Herausforderungen und Fortschritte“

width=800Bild: Bürgermeister Thomas Terhorst (links) und Claas Frein schauen sich den Treppenbereich in der Goetheschule an, der den Aufgang ins Obergeschoss erschließt und viel Licht bietet (Archivbild).

Marl. Seit einem Jahr steht Bürgermeister Thomas Terhorst an der Spitze der Stadt Marl. Jetzt zieht er Bilanz: „Das erste Amtsjahr war geprägt von unerwarteten Herausforderungen, aber auch von Fortschritten. Der freie Fall des Marler Sterns ist gestoppt, für das Gebiet rund um die Lutherkirche gibt es eine Perspektive, und beim Thema Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit zeigen die neuen Maßnahmen Wirkung.“

„Leicht waren die ersten Monate nicht. Ich hätte nicht erwartet, dass man fast täglich mit so vielen schlechten Nachrichten konfrontiert wird und so viele Altlasten vorhanden sind“, sagt der Bürgermeister rückblickend. Verzögerungen bei den Bauprojekten Goetheschule, Heinrich-Kielhorn-Schule und Marschall 66, der Zustand des HoT Hülsberg, der marode Sitzungstrakt des Rathauses und Probleme im Jugendamt, insbesondere im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD), machten bereits im Januar eine Sondersitzung notwendig. „Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Zeit: Die Dinge brauchen oft länger, als man sich das wünscht. Umso wichtiger ist es, dranzubleiben“, so Thomas Terhorst.

Ansprechbar für alle Menschen

Das hat sich der Bürgermeister zur persönlichen Leitlinie gemacht. Er will für die Bürger ansprechbar sein, Themen gründlich durchdringen und die Umsetzung von Entscheidungen konsequent nachhalten. „Am Ende meiner Amtszeit möchte ich sagen können: Wir haben für Marl als Ganzes etwas erreicht.“ Dabei habe sich auch sein Blick auf manche Dinge verändert – etwa auf die Terminvergabe im Bürgerbüro. „Gerade solche Alltagsthemen entscheiden darüber, wie die Menschen ihre Stadtverwaltung erleben.“

Vielfältige Aufgabe: Verwaltungschef, Krisenmanager und Gestalter

Als Chef der Verwaltung habe der Bürgermeister die Verwaltungsstruktur neu geordnet und Prozessverbesserungen angestoßen, vor allem bei der Digitalisierung, beschriebt die Stadtverwaltung den bisherigen Weg. Dazu gehörten auch schwierige Personalentscheidungen. Terhorst: „Personalfragen gehören zu den schwersten Entscheidungen in diesem Amt. Aber sie müssen getroffen werden, wenn die Verwaltung gut funktionieren soll.“ Dass diese nicht immer für alle populär sind, könne er verstehen. Letztlich gehe es ihm aber einzig um das Wohlergehen der Stadt.

Sicherheit und Ordnung waren ebenfalls ein Schwerpunkt der ersten zwölf Monate. Nach den Ausschreitungen in Marl-Hüls hat die Stadt den Kommunalen Ordnungsdienst personell verstärkt, eine mobile Wache eingerichtet und Bezirksdienste für Hüls und Mitte geschaffen. Hinzu kommen die Videoüberwachung und regelmäßige Objektkontrollen von Problemimmobilien. „Die stärkere Präsenz von Polizei und Ordnungsamt wirkt“, so der Verwaltungschef.

Gleichzeitig benennt er die Grenzen kommunalen Handelns: Die Stadt kann Präsenz zeigen, ansprechbar sein, Platzverweise aussprechen und Personalien feststellen. Die Verfolgung von Straftaten und die Gefahrenabwehr sowie der fließende Verkehr liegen dagegen bei der Polizei.

Großprojekte mit Licht und Schatten

Bei den großen Bauprojekten zeichnet sich Bewegung ab. Goetheschule und Marschall66 biegen auf die Zielgerade ein. Für die Heinrich-Kielhorn-Schule hält der Bürgermeister den Weg über einen kompletten Freizug und die Vergabe an einen Generalunternehmer für richtig.

Bei der Rathaussanierung spricht er Klartext: „Die Kostenentwicklung ist in der Summe desaströs. Immerhin ist es uns gelungen, die Kostendynamik zu dämpfen.“ Derzeit verläuft das Projekt zweigeteilt. Der erste Bauabschnitt mit den beiden Türmen und der dem Zentralgebäude läuft sehr gut, die Terminpläne können gehalten werden. Beim zweiten Bauabschnitt, dem Sitzungstrakt, ist die Lage noch offen. Belastbare Ergebnisse werden in den kommenden Monaten erwartet – auch ein Abriss ist nicht ausgeschlossen. Vor der Zukunft hat der Bürgermeister klare Vorstellungen: „Wir müssen mehr in die laufende Instandhaltung investieren, damit es gar nicht erst zu solch großen Sanierungsfällen kommt.“

Der Stadt fehlen Gewerbesteuern

Ein Grund, warum die wirtschaftliche Breite so wichtig ist: Der Stadt fehlen jedes Jahr knapp 60 Millionen Euro an Gewerbesteuern aus dem Chemiepark. „Deshalb müssen wir uns breiter aufstellen – und genau das tun wir mit Thalia, der Metro und unseren vielen mittelständischen Unternehmen. Marl ist mittlerweile nicht nur die Stadt des Grimme-Preises und der Chemie, sondern auch die Stadt des Buches.“

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