
Recklinghausen (sl). Es heißt „Buch eins“ und wurde am Montag der Öffentlichkeit auf Zeche Zollverein vorgestellt: Das Programm des Jahres 2010, in dem das Ruhrgebiet Europäische Kulturhauptstadt ist. Unter diesem Slogan „So haben Sie Ihre Metropole noch nie gesehen!“ präsentiert RUHR.2010 die 150seitige Publikation, die bereits 15 Monate vor Beginn des Kulturhauptstadtjahres 2010 den Planungsstand und das Programm mit den ersten 150 Projekten zusammenfasst. Die Auftaktveranstaltung findet am 9. Januar 2010 im Weltkulturerbe Zeche Zollverein statt, am Abend des gleichen Tages geht es mit einer großen Kultur-und Unterhaltungsshow in der Arena Auf Schalke weiter.
Mit dem internationalen Wissenschaftskongress „Global Young Faculty“ wird zum Abschluss der Blick in die Zukunft gerichtet. Dazwischen liegen 1.500 Veranstaltungen – und viele davon werden in Recklinghausen stattfinden, denn im Fokus der Kulturhauptstadtjahres werden neben der Kunsthalle und dem Ikonenmuseum vor allem die Ruhrfestspiele stehen. Die widmen sich 2010 dem Dramatiker und Publizisten Heinrich
Kleist, eine nicht ganz unumstrittenen Figur der deutschen Literaturgeschichte, gilt er doch gleichermaßen als verkannter Vorbote der literarischen Moderne wie auch als bedeutender Streiter im Sinne der nationalistischen und chauvinistischen Strömungen des Deutschen Kaiserreichs. Viele Texte Kleists wirken heute wie aus einer anderen Zeit.
Internationale Regisseure und Autoren werden sich dennoch von ihm inspirieren lassen: Kleists großen Epochenstücke, seine Lustspiele und politische Dramen wie Homburgs Traum, Käthchens Liebe und Penthesileas Furor – vor allem aber die Herrmannschlacht, mit der der damalige Intendant Peymann vor gut 20 Jahren am Schauspielhaus Bochum Erfolge feierte – gelten Experten als Beispiele für die selbstmörderische Experimente fataler Genies.
Unter dem Titel „Kontinent Kleist“ wird ein vielstimmiges Werk entstehen, in dem politische Systeme und ihre Mechanismen, idealistische Maximen und ihre Vertreter, romantische Projekte und ihre Erfinder tragende Rollen spielen.
Im Rahmen der fünf Areale der Kulturhauptstadt ist Recklinghausen Bochum zugeordnet. Das macht Sinn: Die Stadt ist von Recklinghausen nicht weit entfernt, die Verkehrsverbindungen sind sowohl im Öffentlichen Nahverkehr als auch mit dem Auto gut.
Damit hat Recklinghausen indes Glück gehabt. Andere Städte im Kreis wurden wie Marl oder Gladbeck dem Areal Oberhausen zuegschlagen. Eine eher verwunderliche Entscheidung, für die es auch keine vernünftige Erklärung gibt.

