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Dorsten (om). Eine leider immer noch sehr wichtige Einrichtung feierte gestern ihr 25-jähriges Bestehen: das Frauenhaus, oder genauer gesagt, der Trägerverein „Frauen helfen Frauen“. Seit seinem Bestehen wurden hier rund 2.000 Frauen mit ihren Kindern aufgenommen, die vor meist gewalttätigen Ehe-oder Lebenspartnern fliehen mussten. „Nach anfänglichen Kampf mit der Stadt konnte der Verein 1984 eine kleine Wohnung anmieten“, erinnert Sozialarbeiterin Carla Horstkamp an die Anfänge.
Seit 1987 gibt es ein größeres Haus für mindestens acht Frauen und Kinder, maximal 18 Personen. Neben Horstkamp arbeiten im Frauenhaus und der öffentlichen Anlaufstelle „SpinnenNetz“ noch Erzieherin Barbara Klaus-Krämer, die pädagogische Hilfskraft Marika Hegazy und die 400-Euro-Kraft Heike Goldhagen.
Als autonomes Frauenhaus werden die Personalkosten vom Land zu ca. 75 Prozent bezuschusst. Die Deckung des weiteren Finanzbedarfs für Personal, Miete, Strom, Wasser, Versicherungen, das Frauenhaus-Auto und alles andere muss als Eigenmittel aufgebracht werden, durch Mieteinnahmen der Frauen, Spenden und Bußgelder.
Die Aufgaben der Mitarbeiterinnen sind sehr vielschichtig. Im Vordergrund stehen Beratung und Betreuung der traumatisierten Frauen und deren Kinder. „Neben dem Beratungsangebot bieten wir den Frauen die Möglichkeit, sich von uns bei wichtigen Terminen begleiten zu lassen – sei es zu Terminen bei der ARGE, zu Gerichtsverhandlungen, Wohnungsbesichtigungen oder Schulanmeldungen.“ Ebenso leisten sie Hilfe beim Aufsetzen von Schriftstücken oder Formularen.
„Die Betreuung der Kinder gehört natürlich ebenfalls zu unserer täglichen Arbeit. Ziel der Arbeit ist es, den Kindern bei der Verarbeitung ihrer Gewalterfahrungen beizustehen und sie in ihrem Selbstwertgefühl zu stärken.“
Die tägliche Arbeit umfasst jedoch noch mehr Aufgaben: Dazu gehören telefonische Beratungen, aber auch Beratungen für Frauen, die in der Beratungsstelle „SpinnenNetz“ in der Innenstadt, Wiesenstraße 12, stattfinden. „Wir Mitarbeiterinnen geben Information und Unterstützung bei finanziellen, erzieherischen und anderen anstehenden persönlichen Problemen und vermitteln bei Bedarf an geeignete Stellen weiter.“
Im Frauenhaus von „Frauen helfen Frauen“ lebt jede Frau mit ihren Kindern in einem Zimmer und kann die Gemeinschaftsräume wie Küche, Bad, Wohn-und Spielzimmer des Frauenhauses nutzen. Manchmal müssen sich zwei alleinstehende Frauen ein Zimmer teilen. Probleme und Konflikte bleiben in einer solchen „Zwangsgemeinschaft“ nicht aus: Frauen und Kinder unterschiedlichsten Alters, verschiedener Nationalität oder Religion mit individuellen Lebensstilen und Ansichten, etwa zu Hygiene oder Kindererziehung, müssen in räumlicher Enge zusammen leben. Die Rückzugsmöglichkeiten für jede Einzelne sind aufgrund der beengten Räumlichkeiten sehr gering.
Das gemeinsame Leben mit anderen Frauen und ihren Kindern ist jedoch nicht nur eine Belastung, sondern meist auch eine erholsame Erfahrung. Im Frauenhaus sind die Frauen und Kinder vor weiteren Übergriffen geschützt, da die Adresse anonym ist. Hier können sie sich zum ersten Mal sicher fühlen und seelischen und körperlichen Wunden heilen lassen. Die Kommunikation mit anderen Frauen hilft häufig, die eigene Problematik zu verarbeiten und Lösungsmöglichkeiten zu finden.
400-Euro-Kraft Goldhagen sollte eigentlich durch Patenschaften finanziert werden. „Leider war kein Unternehmen, kein Verband oder gar andere Gruppierung in der Lage, eine Patenschaft über einen gewissen Zeitraum für diese Stelle zu übernehmen“, bedauern die anderen drei Mitarbeiter, denn die Unterstützung der Kollegin wird gschätzt. Ihre Finanzierung ist nur bis Juni gesichert.
Im Jahr 2007 fanden 75 Frauen und 107 Kinder Aufnahme im Frauenhaus, um den Erlebnissen der häuslichen Gewalt zu entfliehen. Insgesamt gab es 3.924 Übernachtungen. In den Vorjahren 2005 und 2006 war das Verhältnis von Bewohnerinnen mit deutscher und ausländischer Staatsangehörigkeit sehr ausgeglichen. Auffällig ist, dass in diesem Jahr der Anteil deutscher Frauen um 13 auf 64 Prozent angestiegen ist.
„Häufig wird von Außenstehenden vermutet, dass wir nur von Gewalt betroffene Frauen aus den Dorstener Stadtteilen aufnehmen“, räumt Horstkamp mit einem Fehlurteil auf. „Dabei stammen die meisten unserer Bewohnerinnen aus den anderen Städten im Kreis Recklinghausen oder sogar aus weiter entfernten Städten. Schließlich müssen sich die Frauen in der Stadt Dorsten frei bewegen können. Kommen sie aus Dorsten, dürfen sie z.B. bei einem Einkauf in der Stadt nicht durch den Gewalttäter gefährdet sein.“
Trotz aller Probleme bei der Arbeit: „Wir starten mit Vorfreude auf unser 25-jähriges Jubiläum ins Jahr 2008“, sind sich alle einig. Am gestrigen Freitag wurde im Alten Rathaus mit Bürgermeister Lambert Lütkenhorst, der über 80-jährigen Mitgründerin Gisela Grothus, Vorstandsfrau Bettina Teutenberg, einer Liedermacherin und einer Fotoausstellung gefeiert. Die Ausstellung, die zwei Frauenschicksale zeigt, ist nach vier Wochen einen weiteren Monat in der VHS zu besichtigen.
Frauen helfen Frauen e.V., Spendenkonto 305287700 bei der Volksbank Dorsten, BLZ 42662320.

