
Recklinghausen (sl). Mitte der 90er Jahre entstand im nördlichen Ruhrgebiet die Idee eines neuen Industrieparks: NewPark sollte neue Industriearbeitsplätze in die Region bringen. Wolfgang Clement war von Beruf noch Wirtschaftsminister des Landes NRW und Kronprinz von Johannes Rau, als er sich für NewPark begeisterte. NewPark, das Industriegebiet des damals noch nächsten Jahrhunderts, sollte auf über 1.000 Hektar Fläche zwischen Datteln und Waltrop entstehen, es sollte ein eigenes, günstigeres, Tarifrecht erhalten, niedrigere Umweltstandards und zentrale Serviceeinrichtungen wie eine Kindergarten für alle Beschäftigten und eine gemeinsam Kantine. Für Clement hatte das Projekt höchste Priorität. Es sollte möglichst schnell vorangetrieben werden.
Nun, gut ein Jahrzehnt später, wird NewPark endlich Wirklichkeit. Nicht wie geplant als Sonderwirtschaftszone, eine eigentlich schöne Idee, die allerdings schon einer oberflächlichen rechtlichen Prüfung nicht Stand hielt, sondern als Industriepark. Allerdings einem, der nicht nur international für Aufsehen sorgen könnte, sondern auch ein Zeichen der Zusammenarbeit der Ruhrgebietsstädte ist.
Zu allererst einmal ist NewPark die wohl größte Fläche für Industrieansiedlungen im Ruhrgebiet: Insgesamt wird sich NewPark über eine Fläche von 320 Hektar erstrecken – 136 davon können vermarktet werden. NewPark wird komplett auf dem Gebiet der Stadt Datteln liegen. Waltrop wollte sich nicht an dem Park beteiligen. Dort sorgt man sich um die angebliche Idylle der Stadt und scheint die Arbeitsplätze nicht nötig zu haben.
Ein Gutachten des RWI-Essen bescheinigt NewPark ein Potential von über 9.000 Arbeitsplätzen. Für die Stadt Recklinghausen ein guter Grund, sich für das Projekt zu engagieren: „Das ist die Zusammenarbeit, die wir im Ruhrgebiet brauchen,“ so Holger Stoye, der Chef der Recklingäuser Wirtschaftförderung, „Das Projekt nutzt allen beteiligten Städten, wir schaffen neue Arbeistplätze, teilen uns die Kosten und werden aber auch alle gemeinsam profitieren.“ Eine solche Zusammenarbeit, betont Stoye, habe es im Ruhrgebiet noch nie gegeben: „Wir betreten damit Neuland und ich bin mir sicher, dass wir Nachahmer finden werden.“
NewPark soll Industrieunternehmen aus den Branchen Medizintechnik, IT, Haus-und Gebäudetechnik sowie Energie-und Umwelttechnik anziehen. Schon in drei Jahren sollen sich die ersten Unternehmen im NewPark ansiedeln können. Bergmann ist zuversichtlich, dass die Vermarktung bis 2020 abgeschlossen sein kann: NewPark bietet Flächen in einem Ballungsgebiet in einer Größenordnung an, von denen es im in Mitteleuropa nicht mehr viele gibt.
Neben Recklinghausen und dem Kreis Recklinghausen gehören zu den Gesellschaftern der NewPark Planungs-und Entwicklungsgesellschaft mbH alle Städte des Kreises Recklinghausen mit Ausnahme von Waltrop. Selbst Lünen, Olfen, Dortmund, Gelsenkirchen und Bottrop stehen wohl kurz davor, sich ebenfalls finanziell an der Gesellschaft zu beteiligen – und später vom Erfolg zu profitieren, denn in Datteln entsteht ein gemeinsames Gewerbegebiet aller beteiligten Städte. Später sollen auch die Einnahmen aus der Gewerbesteuer untereinander aufgeteilt werden.

