Vest (eib). Kann das Kapitel der menschenverachtenden Rituale bei der Feuerwehr in Oer-Erkenschwick abgeschlossen werden? Oder muss es ohne Tabu aufgearbeitet werden? Während sich die Kreisverwaltung für „nicht zuständig“ erklärt, fordert die stellvertretende Landrätin Elke Marita Stuckel-Lotz „sofortige personelle Konsequenzen“.
Schon im Spätherbst 2007 habe sie von „gewissen Praktiken“ gehört, denen eine 20-jährige Anwärterin beim Löschzug Rapen unterzogen worden sei. Doch sie habe keine befriedigenden Auskünfte bekommen, beklagt sie in einem offenen Brief an Landrat Jochen Welt und Oer-Erkenschwicks Bürgermeister Achim Menge.
„Es ist unglaublich, was sich da über Jahre in Oer-Erkenschwick und speziell bei der Rapener Feuerwehr abspielte“, so die stellvertretende Landrätin. Es müssten davon viele Personen gewusst haben, auch Teile der Politik. Und sogar der damalige Stadtbrandmeister, der nach eigener Aussage damals schon die Praktiken kritisiert habe.
Es dürfe keine „weitere Verschleierung der Vorfälle“ stattfinden, so ihre Forderung. Deshalb müsse Fachbereichsleiter Hans-Ulrich Seidel einen Untersuchungsbericht schreiben, der Kreisbrandmeister müsse sich äußern, die Gleichstellungsbeauftragten sollen tätig werden, Oer-Erkenschwicks Bürgermeister solle dem Kreistag bzw. dem Landrat Bericht erstatten.
Der Bürgermeister soll sogar dem Innenminister bis zum 31. Juli einen Bericht schreiben, informiert als Reaktion die Kreisverwaltung. Der Landrat habe die Bürgermeister der Städte angewiesen, „derartige und die Menschenwürde verletzende Rituale dauerhaft zu unterbinden und ab sofort zu untersagen“. Mehr sei nicht zu tun, so Welt: „Es handelt sich ausschließlich um eine Angelegenheit der Feuerwehr in der Stadt Oer-Erkenschwick.“
Gleichwohl hat der Kreis „Maßnahmen und Anweisungen“ veranlasst und die Bezirksregierung informiert. Die habe den Kreis aber nicht aufgefordert, „darüber hinaus tätig zu werden“. Dazu gebe es auch keinen Anlass, so Welt.
Der Brandschutz in Oer-Erkenschwick, von der eigenen Feuerwehr dort in Frage gestellt, funktioniert gleichwohl „in vollem Umfang“. Das ist jedenfalls das Ergebnis eines Probealarms am 29. Juni. Vorher hatte die Wehr wegen der öffentlichen Aufregung eines Austrittswelle befürchtet.

