Marl setzt weiter ganz auf die Chinesen – weiter alles offen
Marl (eib).Der 8.8.2008 ist als symbolträchtiges Datum abgehakt, jetzt spielt Zeit keine Rolle mehr. Das Prüfverfahren der Chinesen braucht seine Zeit, in ihrer Heimat nehmen die potentiellen Investoren den Marler Entwurf für den Grundstückskaufvertrag unter die Lupe. Das Chinesische Handelszentrum werde nicht „mit der heißen Nadel gestrickt“, erklärt Marls Wirtschaftsförderer Dr. Manfred Gehrke. Aber es werden immer mehr Nadeln, die da mitstricken. Erwünschte wie unerwünschte.
Offensichtlich gibt es aus Deutschland erhebliche Versuche, das Marler Strickmuster zu durchkreuzen. Chinesische Firmen würden unter Druck gesetzt, nicht mitzumachen. Um sich dem zu entziehen, halten sich die Investoren derzeit noch bedeckt. Sie wollen sich der Öffentlichkeit erst stellen, wenn sie sich endgültig entschieden haben.
Investor geht jetzt nach Recklinghausen
So lange will ein Autohaus nicht warten, erklärt der Recklinghäuser Architekt Peter Pakulla. Just zwischen McDonald«s und Cafe del Sol plant er auf 7000 qm ein Autohaus, Investitionen ca 1,5 Mio Euro. Das Gelände aber ist für die Chinesen „geblockt“ – was seine Auftraggeber ärgerlich finden. Die Entscheidung könne kein halbes Jahr warten. Die Herzlia Allee wäre ideal gewesen, stattdessen sucht er jetzt einen Platz in Recklinghausen.
Für die chinesische Entscheidung wird in Marl bereits alles vorbereitet. Nach Informationen des „Sonntagsblattes“ wird die Firma, die das Handelszentrum in Marl bauen wird, auch nicht mehr „Metropole Team GmbH“ heißen – der Name sei durch die Diskussionen bereits negativ belastet. Eine Firma soll bereits so weit „vorbereitet“ sein, dass sie kurzfristig ins Leben gerufen und mit viel Geld ausgestattet werden kann, um dann den Kaufvertrag mit Marl abzuschließen.
Wer die Partner dieser Firma sind, das wird Marl dann prüfen. Dafür hat man sich an die Wirtschaftsförderungsgesellschaft „NRW.Invest“ gewandt, die auch ein Büro in Shanghai hat und Marl bei der Recherche behilflich sein wird – wenn es so weit ist. Bis dahin assistiert sie bei Visa-Erleichterungen für die ständigen Besucher.
Viel zu tun ist in Marl derzeit nicht. Die Frage des Kontakte-Vermittlers Qing Wang, ob man ein Grundstück südlich der Gartenstadt in Drewer für Häuser der chinesischen Geschäftsführer nutzen könnte, wurde vom Eigentümer, der städtischen Baugesellschaft Neuma, auf Eis gelegt: Die Frage würde erst aktuell, wenn die Investitions-Frage geklärt sei, sagen die Politiker.
Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Zeit genug also, um über alle Begleiterscheinungen ausführlich zu diskutieren. Zum Beispiel über die Bedeutung von Dolmetschern (wie kürzlich im Rat): Ist es notwendig, einen Profi-Dolmetscher für 100 Euro Stundenlohn auf eine Goodwill-Tour mitzunehmen? Dr. Gehrke bezweifelt das. Es ging auf der China-Reise der Ratsmitglieder um einen Eindruck, den man auch über das Englische vermitteln konnte. Nicht um knallharte Verhandlungen und Verträge.
Die sind jetzt an der Reihe. Die Zeit der Freundlichkeiten war gestern.

