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Vivat für den „Landes-Vatter“

Vest. Wie viel Glanz brauchen die Kirche und ihre Würdenträger? Die katholische Kirche ist in einem Umbruch. Franz-Peter Tebartz van Elst, einst Weihbischof in Münster (2004-2007) und heute wegen seines prunkvollen Bischofssitzes in Limburg in die Kritik geraten, hatte im Vest ebenso strahlende Vorgänger. Allerdings vor 250 Jahren, wie ein Bericht über den Besuch des Fürstbischofs Maximilian Friedrich Graf von Königsegg-Rothenfels in Dorsten und Haltern beweist.

Ihre Churfürstl. Gnaden verließ am 16. Mai 1763 mit einem Gefolge von vier Wagen seine Residenz in Bonn, tags darauf kam man im Vest Recklinghausen an. In Dorsten luden ihn die Vestischen Ritterschafts-Deputierten unterthänigst gehorsamst ein, das Mittagsmahl zu nehmen. Währenddessen wurde ihm mit Knallen des Geschützes, der Trompeten Schall und freudiger Vivat-Rufen gehuldigt, heißt es in einem zeitgenössischen Bericht.

Nach dem Mahl wurde die Hohe Gesellschaft begleitet durch die Bürger-Cavallerie an den „Lippestrom“ geleitet, „woselbst das dortige Ufer beinahe zu klein war, alle Anwesenden zu fassen, welche dahin gekommen waren, ihren Liebenswürdigen Landes-Vatter zu sehen“.

Bild: Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels (1708-1784), Kurfürst und Erzbischof von Köln, Erzkanzler für Italien und Herzog von Westfalen sowie Fürstbischof von Münster (seit 1762). Sein Versuch, auch Fürstbischof von Paderborn zu werden, scheiterte am Widerstand Frankreichs.

Auf der anderen Lippe-Seite betrat der Landesherr und Bischof den Boden des Hochstiftes Münster. Das Domkapitel und die Deputierten der Ritterschaft begrüßten ihn, die Pfarrer und Pfarrkinder der Orthaften hatten sich eingefunden, um ihren „theuersten Landes-Fürsten die unterthänigste Aufwartung zu machen“.

Dann begab sich „Ihro Churfürstl. Gnaden in Dero Reiswagen und setzen Dero Weg nach Düllmen unter immer wiederhohlten Vivat-Geschrey derer aus sieben benachbarten Dorfschaften mit ihren Fahnen sich eingefunden, und unterm Gewehr stehenden Bauernschaften fort“.

Nächste Station: Haltern. Die wollte „sich ebenfalls um die Wette beeifern, ihre unterthänigste Glückwunschungen und Ehrfurchtsvolle Liebe zu bezeugen, zu dem Ende wurde gleichsam eine Bürgerliche Suite (Gefolge) aus der Stadt Haltern detachiert (abkommandiert), um Ihre Churfürstl. Gnaden von dem Adelichen Hauß Oestendorff einzuholen, in der Stadt paradirte sämtliche übrige Bürgerschaft unter dem Gewehr, gemeldete Bürger zu Pferde aber convoirten (begleiteten) Ihre Churf. Gnaden bis an die eine halbe Stund jenseits Dülmen belegenen großen Teichs-Mühle, während welcher Zeit alle Glocken in Haltern geläutet wurden.“

In Dülmen nächtigte der hohe Gast, bevor es weiter gen Münster ging. Seinen Bischofssitz Münster soll er aber in seiner 22-jährigen Regentschaft nie aufgesucht haben.

Im Gegenzug für seine Wahl (1762) mussten in Münster die Wälle geschleift und das Residenzschloss gebaut werden.

Nun aber scheinen die Zeiten des über Jahrhunderte gepflegten Prunks zu Ende zu sein. Die Residenz von Franz-Peter Tebartz van Elst passt jedenfalls gar nicht zum Stil des neuen Papstes Fanziskus.

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