
Der ehemalige und Ende 2010 verstorbene Vorsitzende des Vereins, Fritz Kardolsky.
Marl. Über einem der erfolgreichsten Spenden-Sammelvereine des Kreises schwebt der dunkle Schatten eines ungeheuerlichen Verdachtes. Offensichtlich ist mit dem reichlich vorhandenen Geld recht großzügig und vor allem auf dubiose Art und Weise umgegangen worden. Wohin sind die Millionen an Spendengeldern in den vergangenen Jahren versickert? Mögliche Scheinrechnungen sind aufgetaucht, die den „Förderverein Deutscher Hilfsdienste in Marl“ in Bedrängnis bringen. Der stellvertretende Vorsitzende Dieter Koenzgen ist fassungslos.
Der 1985 gegründete „Förderverein Bundesdeutscher Hilfsdienste e.V.“ (der einen Autohilfsclub seit 1969 als Vorläufer hat), erlebte einen Boom, der ihn unerwartet traf. Fritz Kardolsky, der im November 2010 verstorbene Gründer, hatte die Fäden in der Hand und mehr Geld zur Verfügung als erwartet war und eigentlich benötigt wurde. Das Geld war zur Unterstützung des Deutschen Hilfsdienstes in Marl gedacht – dessen Vorsitzender ebenfalls Fritz Kardolsky war.
Vom Bundespräsidenten erhielt er das Bundesverdienstkreuz, vom Papst den apostolischen Segen. Aber schon letztes Jahr gab es Unstimmigkeiten: Die Spendenaufsicht von Rheinland-Pfalz verbot die Spendensammlung: Es liege „insgesamt keine angemessene Verwendung der Sammlungserträge“ vor. Hohe Kosten für Werbung und Verwaltung sowie mangelnde Bereitschaft zum Nachweis der Gelder wurden moniert.
Jetzt tauchte eine in bar bezahlte Rechnung über 2750 Euro auf (liegt dem Sonntagsblatt vor). Das Geld soll der Fahrer eines international tätigen Logistik-Unternehmens entgegengenommen haben. Ohne eigens ausgewiesene Mehrwertsteuer, ohne Steuernummer und ausgestellt von einem Unternehmens-Standort, den es damals schon gar nicht mehr gab. In den Büchern des Fördervereins ist die Rechnung gebucht
Dem Unternehmen East Logistics ist dagegen die Rechnung völlig unbekannt, ergab eine Recherche des Sonntagsblattes. Niemals würde ein Fahrer Bargeld entgegen nehmen, beteuerte der Geschäftsführer.
Barzahlungen seien nicht ungewöhnlich gewesen, so Dieter Koenzgen (72), der sich gerade in die Unterlagen einarbeitet. Dass hier etwas in der Vergangenheit nicht mit rechten Dingen zugegangen ist, mag er nicht glauben.
Dass die Struktur des Vereins überarbeitet werden muss, davon ist er aber überzeugt. Inzwischen wurde der Verband Deutscher Hilfsdienste (den der Förderverein unterstützt), zum Verkauf von drei Fahrzeugen gedrängt, um das System auf eine wirtschaftlich vernünftige Basis zu stellen. Der Verband wird derzeit vom Marler Rechtsanwalt Eugen Vetter geführt, der bislang auch dem erweiterten Vorstand des Fördervereins angehörte (unmittelbar nach der Recherche des Sonntagsblattes wurde das auf „Rechtsberatung“ reduziert). Ausgeschieden als Angestellter des Fördervereins ist mittlerweile der Sohn des Gründers.
Ob der etwas von den „Veruntreuungen und Unterschlagungen von Spendengeldern in größerem Umfang“ weiß, die jetzt dem Verein anonym vorgeworfen werden, das kann Dieter Koenzgen nicht einschätzen.
Dass es um große Summen geht, ist dagegen unstrittig. 900.000 Euro Spendengelder kommen im Jahr zusammen, hereingeholt von einem professionellen Unternehmen. Die Hilfe ist nicht billig. Weil sie und andere Verwaltungskosten deutlich über 25 Prozent der Spendensumme liegen, durfte der Förderverein seit Jahren keine Spendenbescheinigungen mehr ausschreiben.
Das soll jetzt anders werden, kündigt Dieter Koenzgen an. Man bemühe sich beim Finanzamt und wenn man bis Jahresende dem Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) beigetreten sei, dann habe der Verein auch das Siegel.
Zunächst aber müssen der Hilfsdienst und sein Förderverein neue Vorsitzende bekommen. Getrennte, wohlgemerkt.

