
Mit ihm fing die Druckkunst an: Johannes Gutenberg, Kupferstich von 1584
Haltern. Nicht dass Haltern weltweit als Hochburg der Druckkunst bekannt ist. Aber die Lossprechungsfeierlichkeit für die Lehrlinge, die finden seit Jahren ein immer größeres Interesse. Ein öffentliches Spektakel und Gaudi, das am 21. August wieder vor dem Halterner Rathaus stattfindet.
Wenn zum Halterner Gautschfest mittlerweile zum 18. Mal eingeladen wird, dann darf man schon von Tradition reden. Am Samstag um 9 Uhr geht es los mit einem Druckerfrühstück im Alten Rathaus, um 10.30 Uhr folgt der Umzug durch die Innenstadt, der eine halbe Stunde später bei Bürgermeister Bodo Klimpel und zahlreichen Ehrengästen vor dem Rathaus endet.
Dort findet die feierliche Proklamation des Gautschfestes durch den Gautschmeister statt (selbstverständlich standesgemäß mittelalterlich gekleidet). Dann kommt das Wichtigste, das Gautschen der Kornuten (Lehrlinge). Der Gautschmeister hält eine süffisante Ansprache mit allen Vor- und Nachteilen der Kornuten, der „Schwammhalter“ weicht schon mal von oben und unten den Kornuten auf die „Taufe“ vor.
Dann heißt es: „Packer! Packt an! Lasst seinen Corpus posteriorum fallen, bis triefen beide Ballen. Der durst’gen Seel‘ ein Sturzbad gebet obendrauf – Das ist dem Jünger Gutenbergs die allerbeste Tauf!“
Die Packer stürzen sich auf den „armen“ Kornuten, werfen ihn in den Zuber und tauchen ihn dreimal kräftig unter. Wenn der so Getaufte sich wieder befreit hat, muss er, noch im Zuber stehend, einen Krug Bier auf „ex“ trinken. Damit wird er symbolisch in den Kreis der „bierehrlichen“ Bürger als vollwertiges Mitglied aufgenommen.
Zum ‚Abschluss nimmt der Gautschmeister den versammelten Kornuten noch einmal ein Bekenntnis zur Wahrung „der Kunst“ ab. Bernd Köster, Leiter der Stadtbücherei, der sich intensiv mit der Historie des Gautschens befasst hat: „Damit soll symbolisiert werden, dass es notwendig war, den Unfug, die Fehlerhaftigkeit, die Murrerei und Jubelei der Lehrzeit zu beseitigen und abzuwaschen.“
Die frischgebackenen Gehilfen des graphischen Gewerbes erhalten dann im Keller des Alten Rathauses den Gautschbrief ausgehändigt.

