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Neujahrsgrüße vom „Great Barrier Reef“

Recklinghausen. Weihnachten weit weg von zu Hause – für viele ein Albtraum. Jacqueline Dzeyk und Kim Rusina nehmen die Abstinenz von Glühwein und Punsch unterm heimischen Tannenbaum locker. Kein Wunder: Nach dem Abitur auf dem Wirtschaftsgymnasium des Kuniberg-Berufskollegs hat es das Duo für ein dreiviertel Jahr nach Australien verschlagen.

Während die früheren Mitschüler an den ersten Tagen des neuen Jahres bei Schnee und Eis mächtig bibbern, zeigt das Thermometer in „Down Under“ satte 39 Grad plus im Schatten an. „Hier fühlt es sich einfach nicht wie Weihnachten an“, schreibt Jacqueline. Zwar präsentiert sich Port Douglas in diesen Wochen ähnlich bunt geschmückt wie die Innenstädte zu Hause; es gibt auch die traditionellen Konzerte – „aber die Kälte fehlt einfach“.

Doch ein wenig Heimweh? „Eltern, Freunde und Bekannte fehlen schon, aber wir sind sehr selbstsicher und unabhängig geworden“, sagt Jacqueline Dzeyk nicht ohne Stolz.

„Am Kuniberg haben wir gelernt, uns durchzubeißen. Nicht nur bis zum Abitur und zur Fremdsprachenkorrespondentenprüfung vor der IHK. Auch mein vierwöchiges Praktikum in Dublin war sehr hilfreich.“ Und Kim Rusina ergänzt: „Auch mir haben die Erfahrungen während der vier Praktikumswochen in Barcelona Mut gemacht, das Experiment ,Down Under» zu wagen.“

Viel Zeit, an zu Hause zu denken, hatten die beiden Weltenbummlerinnen über die Feiertage allerdings nicht. Beide waren im Dienst als Küchen-und Spülhelferinnen im Restaurant. Den Festtagszuschlag können sie gut gebrauchen; schließlich soll es Mitte Januar weitergehen mit der Australien-Rundreise.

In dem vornehmen Ferienort sind die beiden Deutschen seit Anfang November. Zuvor haben sie ihre Fahrtenkasse als „Fundraiser“ (Spendensammler) in Sydney und als „Cowgirls“ auf der Leconfieldfarm in Tamworth aufgebessert. Am Seven Mile Beach in Gorrea lernten beide das Surfen. Lehrer Vinnie – 23 Jahre alt und seit zwei Jahrzehnten auf dem Brett – hatte eine derart positive Ausstrahlung, dass den beiden Anfängerinnen die vielen Liter Salzwasser, die sie bei den ersten Versuchen schluckten, nicht übel aufstießen.

Den Jahreswechsel haben Jacqueline und Kim gemeinsam mit anderen Angestellten aus dem „Court House“, dem beliebtesten Restaurant in der Stadt, gefeiert. „Hier arbeiten ungefähr 20 Leute, die aus ganz Australien kommen. Wir sind wie eine große Familie“, schwärmen die beiden. Jeden Abend sitzt die Belegschaft nach Feierabend noch auf ein Bierchen gemütlich beisammen. „Beer o«clock“ heißt das Ritual.

Port Douglas liegt im Norden von Queensland am Anfang des berühmten „Great Barrier Reefs“. Dort, wo kein Meer ist, wird die Stadt vom Regenwald umzäunt. Angesichts der extrem hohen Luftfeuchtigkeit ist es für die beiden Abiturientinnen ein echter Fortschritt, dass sie gemeinsam mit zwei anderen Mädchen ein Apartment angemietet haben, das über eine Klimaanlage verfügt.

Weil sie schon seit acht Wochen in dem Städtchen leben, fühlen sich Jacqueline und Kim heimisch. „Wir können eigentlich die ganze Zeit winkend durch die Gegend laufen. Jeder kennt hier jeden“, berichtet Kim Rusina.

Viel Arbeit, viel Spaß – und ein halbes Jahr vor der Rückkehr nach Deutschland die Erkenntnis, dass der Englisch-Unterricht auf dem Wirtschaftsgymnasium des Kuniberg-Berufskollegs eine weitere gute Vorbereitung für das große Abenteuer in „Down Under“ gewesen ist. Englisch werde auf jeden Fall eine Rolle bei dem Studium spielen, das sie nach ihrer Rückkehr in Deutschland oder Holland aufnehmen wollen, betonen die beiden Abiturientinnen.

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