Haltern (om). Hoch her geht es derzeit wegen des am nördlichen Rand des Chemieparks geplanten Neubaus eines Kohlekraftwerks. Am Mittwoch demonstrierten knapp 80 Bürger aus Lippramsdorf für ihre Interessen. Denn das 900-Megawatt-Kraftwerk werde rund um die Uhr Staub, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Quecksilber, Dioxine und Furane ausspucken, sind sie überzeugt – von der Optik eines 185-Meter-Kühlturms ganz zu schweigen.
Erst grub das Bergwerk AV unter Lippramsdorf nach Kohle und sorgte für zahlreiche Bergschäden, jetzt die Infracor mit ihren Kraftwerk – die Lippramsdorfer sind es satt. „Die Vertreter der großen Parteien kümmern sich nicht groß um das Thema, weil es nur Lippramsdorf betrifft“, glaubt Johannes Föcker, einer der Sprecher eines Bürgerstammmtischs, der ins Leben gerufen wurde und die Entwicklung nun begleiten will.
Nach der Demo vor dem Rathaus bekamen nach den Infracor-Experten auch die Bürger Rederecht im Stadtentwicklungsausschuss – 3,5 Stunden wurde zu diesem Tagesordnungspunkt diskutiert, während normalerweise die gesamte Sitzung in 1,5 Stunden abgefeiert ist. Föcker erkannte dankbar an, dass Politik und Verwaltung die Sorgen der Bürger geduldig anhörten.
„Niemand wird sich vermutlich gegen den Erhalt oder die Schaffung neuer Arbeitsplätze in der Region aussprechen, auch die WGH nicht“, meint Markus Heier, Pressesprecher der Wählergemeinschaft Haltern. „Die Frage ist nur zu welchem Preis?“ Der jetzt geplante Neubau eines Kohlkraftwerkes habe aus Sicht der Nachbargemeinde Marl sicher nur positive Effekte, „da die negativen Auswirkungen ja primär nur in Haltern zu spüren sein werden. Wie hoch die Wertigkeit der Belange Halterner Bürger für die Betreiber des Chemieparks ist, sah man zuletzt in der Diskussion, um den Abriss der Oelder Brücke.“
Da liege es nahe, dass auch bei der Überlegung des Standortes des neuen Kraftwerkes die Wohnbebauung in Lippramsdorf und Haltern keine Rolle spiele, so die WGH weiter in einer Stellungnahme. „Schattenwurf, Dampfschwaden und nicht zuletzt die Höhe des monumentalen neuen Kühlturmes werden Lippramsdorf zukünftig prägen. Selbst die Pyramiden von Gizeh in Ägypten, über mehrere tausend Jahre die höchsten Bauten der Welt, sind deutlich kleiner als der jetzt geplante Kühlturm.“
Die WGH wolle einen Neubau des Kraftwerkes nicht verhindern, versichert Heier. „Bei der Betrachtung des Luftbildes vom Gelände des Chemieparks, stellt sich aber die Frage, warum es dieser Standort sein muss, wenn auch für den Laien deutlich erkennbare Alternativen vorhanden sind, welche die Halterner Bevölkerung weniger beeinträchtigen.“

